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Merken   Drucken   24.10.2012, 17:59 Schriftgröße: AAA

Lebensart: Kamelmilch in der Kaffeetasse

Überall nur Starbucks, immer nur Latte oder Cappuccino mit Kuhmilch. Dschassim al-Bastaki hat das Kaffee-Einerlei satt - bei ihm kommt Kamel in die Tasse.
© Bild: 2012 Getty Images/Paula Bronstein
Überall nur Starbucks, immer nur Latte oder Cappuccino mit Kuhmilch. Dschassim al-Bastaki hat das Kaffee-Einerlei satt - bei ihm kommt Kamel in die Tasse.
von Hamburg

Am Anfang stand eine Lüge. Dschassim al-Bastaki hatte einen Kumpel eingeladen, als Testtrinker für seine neueste Kreation. "Ich habe ihm den Kaffee mit Kamelmilch gegeben und erzählt, es sei der mit Kuhmilch. Er fand ihn super", sagt der Chef der Café2Go-Kaffeehäuser aus Dubai. Drei Monate ließ er Gäste und Freunde immer wieder probieren, bis er wusste, dass es funktionieren würde - es gibt einen Markt für Camelcino und Camelatte.

Vor einem Jahr hat der Geschäftsmann seinen ersten Laden eröffnet. Und gleich gemerkt, dass großes Interesse am Kaffee abseits des Starbucks-Einerleis besteht. "Von Anfang an haben wir mit Kamelprodukten die Hälfte unseres Umsatzes gemacht." Kuhprodukte verkauft er zwar auch. Die lokale Alternative aber pusht er nun immer weiter. Anfang Oktober ließ sich Bastaki eine Marke eintragen: Unter Camellos, spanisch für "Kamele", will er Städter für traditionelle Tierprodukte begeistern, Beduinenfood für die Businessjugend. "Kamelmilch gibt es seit Jahrhunderten. Und ich will, dass die junge Generation anfängt, sie zu trinken", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Deshalb habe ich begonnen, sie mit modernen Getränken zu vermischen." Neben Heißgetränken rührt er Kamelmilch auch in Smoothies und Shakes.

In den vergangenen Monaten hat Bastaki das Kamelportfolio noch mal erweitert. Seine Angestellten backen Muffins mit der Milch, stellen Eis her, legen Kamelkäse auf Ciabattas oder Kamelfleisch auf Fajitas. Dank solcher Kombinationen, hofft Bastaki, können in der hypermodernen Glitzerwelt am Golf auch hergebrachte Nahrungsmittel überleben.

Ums Geschäft geht es, natürlich, Bastaki will sein Franchise aus bislang zwei Shops und einem Verkaufswagen exportieren, erst mal in andere arabische Staaten. Gespräche mit Interessenten in Libyen und Bahrain laufen, umgerechnet gut 31.000 Euro veranschlagt der Kamelprophet als Mindestinvestition. Aber es gehe ihm auch um die Stärkung der regionalen Identität, sagt Bastaki: "In Asien trinken sie Sojamilch", sagte er der Emirate-Zeitung "The National", "also müssen auch wir als Golfstaat an unsere Getränke glauben und sie fördern."

Und nicht zuletzt geht es um die Gesundheit. Auf der Facebook-Seite von Café2Go preist Bastaki Kamelmilch als "Superfood", im Nährwertvergleich schlägt sie Kuhmilch Studien zufolge deutlich: Zehnmal so viel Eisen ist drin, dreimal so viel Vitamin C. Das Getränk könnte auch Bastakis Landsleuten Gutes tun, von denen viele ohne Rücksicht auf ihr Wohlbefinden konsumieren: Laut aktuellen Zahlen der Gesundheitsbehörde von Abu Dhabi leidet jeder fünfte Bürger der Emirate an Diabetes, unter den über 50-Jährigen jeder zweite.

Kamelmilch sei eine reiche Insulinquelle, zitiert Café2Go die Ernährungsberaterin Hala Barghut. "Das macht sie zu einer Behandlungsoption für Diabetiker." Und weil die Laktose darin anders aufgebaut ist als in Kuhmilch, ist das Kamelprodukt längst auch im Westen als Alternative für Allergiker bekannt.

Geruch und Geschmack allerdings ruinieren den ersten Eindruck vom Wundermittel. Kamelmilch ist leicht salzig und schwer - und das Aroma verrät eindeutig, welches Tier sie gegeben hat. Bastaki muss tricksen: Zu den gerösteten Arabica-Kaffeebohnen gibt er etwas Zucker, die Milch wird nach geheimen Vorgaben erhitzt und aufgeschäumt.

Die Tester des Magazins "Good Housekeeping Middle East" hat er trotzdem nicht restlos überzeugt. Recht vorsichtig schreiben sie über die Camelatte: "Deutlich herber und cremiger als eine normale Latte und vollkommen anders - aber ein Geschmack, an den wir uns gewöhnen könnten." Die Muffins immerhin haben sie "wirklich genossen".

Mit Reuters

  • Aus der FTD vom 25.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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