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Merken   Drucken   23.11.2012, 15:23 Schriftgröße: AAA

Mein Leben unterwegs: Roland Berger: Reisen wie ein Boss

Jeder, der geschäftlich oft unterwegs ist, weiß: Reisen ist ein Handwerk. Bei uns berichten prominente Vielflieger, wie sie ihren Alltag auf Achse organisieren. Heute: Der Unternehmensberater Roland Berger.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Wolfgang Kumm
Jeder, der geschäftlich oft unterwegs ist, weiß: Reisen ist ein Handwerk. Bei uns berichten prominente Vielflieger, wie sie ihren Alltag auf Achse organisieren. Heute: Der Unternehmensberater Roland Berger.

Roland Berger ist Gründer der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants.


Seit rund 50 Jahren arbeitet Roland Berger als Berater - das sind fünf Jahrzehnte Koffer packen, Bordpässe vorzeigen, Schlange stehen am Check-in. Den Globus hat er in seiner Laufbahn mindestens 100 Mal umrundet und zahllose Bonusmeilen gesammelt. Für junge Kollegen, die von der Reiserei im Job genervt sind, hat der 74-Jährige einen Trost: "Der Mensch ist sehr anpassungsfähig, und so gewöhnt man sich zu einem guten Teil auch daran, viel unterwegs zu sein. Wir haben sogar Kollegen mit Flugangst, die seit vielen Jahren erfolgreich mit dem Reisealltag zurechtkommen." Hier sind Bergers persönliche Regeln für unterwegs, mit denen man schneller, aber auch bequemer durch den Reisealltag kommt.

Das klappt natürlich nicht immer, aber wenn möglich, versuche ich mit höchstens zwei Gepäckstücken zu reisen. Zwei Handgepäckstücken wohlgemerkt! Das spart Zeit beim Einchecken und nach der Landung, alles ist immer griffbereit - und: Es geht so schnell nichts verloren. Zwei Teile kann man gut im Blick behalten. Bei mehrwöchigen Reisen fällt das Gepäck zwangsläufig etwas umfangreicher aus.

Ich habe einen Lieblingsaktenkoffer, der mich seit vielen Jahren auf meinen Reisen begleitet, und der ist aus Karbon. Ohne Inhalt wiegt er fast nichts. Auch sonst achte ich bei meinem Gepäck auf leichtes Gewicht und größtmögliche Funktionalität.

Es gibt Dinge, die sollte man auf jeder Reise an der gleichen Stelle verstauen, damit man sie immer wiederfindet, schnell mal nach ihnen schauen kann und weniger vergisst. Meine Ausweise, Kreditkarten und mein Handy trage ich im Anzug, Geschäftsunterlagen kommen in den Karbonkoffer, ebenso ein paar Halsbonbons, die ich immer dabei habe, weil ich viel sprechen muss, und mein iPad. Auch ein Ansteckschild mit meinem Namen habe ich meistens dabei, falls es auf den diversen Veranstaltungen, die ich besuche, daran fehlen sollte.

Ich versuche immer, so knapp wie irgend möglich beziehungsweise gerade nötig vor Abflug am Flughafen zu sein. Das setzt voraus, dass man sich auskennt: Denn je nach Flughafen und Destination dauert das Einchecken eben länger, etwa bei Amerika-Flügen. Und: Das Taxi zum Flughafen unbedingt vorbestellen! Auch am Zielort, dann spart man sich die Warterei am Taxistand. Die Bordkarte stellt in der Regel noch vor Reisebeginn meine Sekretärin aus, an der Sicherheitskontrolle spare ich ein bisschen Zeit, indem ich Kleidung sowie Art und Umfang des Gepäcks der vor mir Wartenden aus den Augenwinkeln sichte und danach entscheide, wo ich mich anstelle. Auf ungewöhnliche Gegenstände im Handgepäck verzichte ich oder gebe notfalls das Gepäck auf - das verhindert Diskussionen und Nachkontrollen.

Fliegen, oder vielmehr das Ein- und Auschecken am Flughafen, geht oft schneller, wenn man sich antizyklisch verhält und Stoßzeiten meidet. Lassen Firmenpolicy, Klienten und der Terminkalender es zu, kann man zum Beispiel gelegentlich nach 8 Uhr morgens oder vor 17 Uhr abends fliegen. Diese Maschinen sind einfach weniger voll. Nach 20 Uhr ist die Lage dann meist auch wieder besser. Ein Platz in einer der vorderen Reihen hilft natürlich ebenfalls, schneller aus dem Flieger zu kommen, und theoretisch auch ein Gangplatz - allerdings bevorzuge ich Fensterplätze, weil sie ruhiger sind und ich die Aussicht bei gutem Wetter und schöner Landschaft immer noch faszinierend finde.

Grundsätzlich verträgt man meiner Erfahrung nach Zeitverschiebungen am Besten, wenn man während der Reise mäßig isst und auf Alkohol weitgehend verzichtet. Ich finde auch, dass man im Flugzeug viel besser schlafen kann, wenn man sich daran hält. Wobei ich ohnehin das Glück habe, auf Langstrecken gut schlafen zu können. Um einen Jetlag zu vermeiden, fliege ich nach Westen in der Regel mit dem Tag: Fliege ich etwa morgens in Deutschland ab und komme morgens Ortszeit an der Ostküste der USA an, schließe ich einen normalen Arbeitstag an.

Im Hotel nutze ich, wo immer möglich, den Express-Check-out. So kann ich abreisen, ohne an der Rezeption zu warten. Weil ich häufig schon früh morgens Telefontermine habe, frühstücke ich meist auf dem Zimmer. Den Koffer packe ich nur dann ganz aus, wenn es unbedingt nötig ist.

Mein wichtigster Tipp für alle Geschäftsreisenden lautet: gelassen bleiben. Das habe ich während meiner vielen Reisen gelernt. Verspätungen, Staus, schlechtes Wetter und gestrichene Flüge - was ich nicht ändern kann, nehme ich mit Gelassenheit. Das erleichtert das Leben ungemein. Hinzu kommt: Die Kulturen sind unterschiedlich und nicht in jedem Teil der Welt teilt man zum Beispiel das deutsche Verständnis von Pünktlichkeit, Sauberkeit, Service und Effizienz. Lässt man sich auf die ungewohnte Situation ein, werden die eigenen Erwartungen oft übertroffen oder durch anderes mehr als wettgemacht.

Protokoll: Nina Anika Klotz

  • FTD.de, 23.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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