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Merken   Drucken   23.04.2012, 19:09 Schriftgröße: AAA

Unterirdische Laune: Leiden mit dem U-Bahn-Fahrer

In München, da legt man Wert auf Lokalkolorit. Das spiegelt sich auch in der Ausdrucksweise von Lokführern der U-Bahn wider. Genau das tut es - so sehr, dass es schmerzt. Eine Glosse

Als die Münchner S-Bahn vor ein paar Jahren neue Sprecher suchte, da waren Originale gefragt. Männer und Frauen mit "bayerischem Akzent", hieß es auf den Plakaten. Man sollte die Heimat direkt aus dem Lautsprecher hören, sich versichert sein, nicht irgendwo S-Bahn zu fahren, sondern im Millionendorf mit Herz.

Die U-Bahn macht es einem da mitunter schwieriger. "Hhhh, hhhh", stöhnt da der Fahrer. Sekunden vergehen. "Näschter Halt", "hhhh, hhhh", "Marienplatz" - man will es schon gar nicht mehr wissen. Einige sparen sich jedes überflüssige Wort: "Poccistraße", heißt es mürrisch.

Lebensfreude hört sich anders an. In den dunklen Röhren der Landeshauptstadt - mit ihren Zügen und Bahnhöfen im schönsten 70er-Schick - spricht, nein leidet der U-Bahn-Fahrer noch selbst. Und der ganze Zug gleich mit. Doch München will hip sein, da kann man keine mürrischen Fahrer brauchen. Wieso nicht einen kleinen Wettbewerb starten: Wer entzückt seine Passagiere am besten? Vielleicht würde eine kleine Gesangseinlage wie in der Kirche für Heiterkeit sorgen: "Nähähähäster Haaalt: Mariiienplatz."

Oder ein Streitgespräch unter U-Bahn-Führern: "Komm, soag du den Schmarrn an, i mog nimmer". Oder wie wäre ein bisschen Stadtführung für Einsteiger: "Sehr geehrte Reisende, wir erreichen jetzt das Sendlinger Tor. Hier trifft sich nicht nur Münchens Drogenszene, sondern auch jeden zweiten Samstag die Fußball-Fanmeute der gegnerischen Elf. Erleben sie unsere schöne Stadt von einer ganz anderen Seite."

Doch mit einer solchen Aufgabe als Reiseleiter sind ja auch die Kollegen bei der Deutschen Bahn überfordert. Vergangenes Jahr vergaßen sie für einige Zeit die Bedeutung von Wolfsburg: Gleich mehrere ICE-Züge fuhren an dem Bahnhof vorbei. Da hätte auch die schönste Ansage nichts genützt.

  • Aus der FTD vom 24.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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