"Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckte es die Decke, die Fenster und die Wände, und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum." So beschrieb die psychisch kranke Japanerin Yayoi Kusama eine der Halluzinationen, die sie seit ihrer Kindheit heimsuchen.
Seit Jahrzehnten schon arbeitet die 83-Jährige an den "Infinity Nets" und "Polka Dots", mit denen sie Leinwände und Räume bedeckt. Die notorischen Netzmuster und psychedelischen Punkte haben sie weltberühmt gemacht.
Das Modehaus Louis Vuitton kooperiert gern mit kreativen Exzentrikern. Jetzt widmet es Yayoi Kusama eine Retrospektive in Madrid, Paris, London und New York. Und Chefdesigner Marc Jacobs hat mit der Künstlerin Kleider, Schuhe, Taschen und Schmuck entworfen – sämtlich mit Punkten übersät. Ein liebenswertes Projekt, denn die "Tupfenprinzessin" lebt – freiwillig – in einer Nervenheilanstalt und ist nicht ganz unkompliziert.
Das Herzstück der Kollektion ist die Kusama Minaudière, ein Abendtäschchen, 14 mal 14 Zentimeter, zum stolzen Preis von 100.000 Euro. Fünfmal gibt es den hübschen Kürbis nur, und ganz aus Gold ist er. Kunst? Gewissermaßen schon: Das Täschchen ist eine Zwergenausgabe der riesigen Pumpkin-Skulptur, die auf der japanischen Künstlerinsel Naoshima am Anlegesteg Reisende begrüßt.
Kusama Minaudière von Louis Vuitton aus der Kusama-Kollektion, Gold mit lackierten Punkten, mit Lammleder gefüttert, limitiert auf fünf Stück, 100.000 Euro, www.louisvuitton.com