Ich führte zu meiner Verteidigung Simone de Beauvoir, Marlon Brando und Helmut Schmidt ins Feld. Eine Woche später irre ich durch Stuttgart, Dienstreise: Abflug nach einem langen Arbeitstag, Schlangen an der Gepäckkontrolle, wo die Leute ewig ihre Flaschen und Cremetöpfe aus dem Handgepäck pulen, am Ziel ein scheußliches Hotel - natürlich qualmfrei. Jeder Raucher weiß: In einer solchen Situation muss eine Zigarette sein.
Nach einem prüfenden Blick durch die Fenster eines Chinesen, einer Dönerbude und einer Pizzeria, die ihre Aschenbecher allesamt von den Tischen verbannt haben, lande ich in der Cafe-Bar Neckartor, einer Spelunke direkt an der Hauptstraße.
Dichter Nebel hängt über den Tischen aus Holzimitat und den Geldspielautomaten. Alle starren mich an: Der dicke Wirt hinter der Theke, der Typ mit der gelben Joggingjacke, die Frau, die ihrer Aussprache nach zu urteilen nicht ihr erstes Bier trinkt.
Ich bin der Alien im schwarzen Anzug mit der falschen Zeitung unter dem Arm. Doch dann krame ich Tabak und Blättchen aus meiner Handtasche - und die Lage dreht sich: Plötzlich lächelt mich der eben noch so verschlossen dreinblickende Wirt an. Er kommt sogar herüber, um meine Bestellung aufzunehmen.
"Der Anzug ist nur eine Tarnung", sage ich lächelnd. Und obwohl er die Anspielung offensichtlich nicht versteht: Ich gehöre hierher.