Oder ist es gar die Kurznachricht selbst, in der Kerviel seine aufgeschreckten Chefs mit den Worten "Ich habe kein Netz" abwimmeln wollte?
Auch wenn dem Mann das alles nicht den Kopf retten konnte, eines muss man ihm lassen: Er liegt voll im Trend. Schon Boris Becker wusste die schnörkellosen 160 Zeichen zu schätzen, als er mit einer der Babs-Nachfolgerinnen Schluss machte. Nadja "Naddel" Abd El Farrag brach seinerzeit Ralph Siegel mit dem Kurztext "Ich habe es mir noch mal überlegt" das Herz. Und Kerviels Landsmann Nicolas Sarkozy legte seiner neuesten Eroberung Carla Bruni mal eben per SMS nahe, ihn zu ehelichen. Aber auch SMS-Scheidungen sind im Kommen; in Ägypten wird gerade ihre Rechtmäßigkeit geprüft.
In der Wirtschaftswelt indes waren die kurzen Ausreden bislang weniger angesagt. Doch das könnte sich nach Kerviel ändern. Ist es nicht an der Zeit, dass erfolglose Manager die Nachricht ihres Rausschmisses zuerst auf den Blackberry gesimst bekommen? Unsere SMS-Kanzlerin hätte sicher Verständnis dafür.
Empfehlenswert wären die Nachrichtenquickies auch für Handyhersteller, die ihre Produktion in Billiglohnländer verlagern. Wenn's brenzlig wird, reicht eine kurze SMS an Arbeiterführer Jürgen Rüttgers: "Wir sind dann mal weg. LG, Nokia."