Bislang war das Damenprogramm eine Randerscheinung der G8-Gipfel. Man zeigte den Ehepartnern der Staats- und Regierungschefs ein wenig Kultur, machte ein Gruppenfoto. Und die Mächtigen drehten derweil an den Stellschrauben der Weltgeschichte.
Das könnte beim anstehenden G8-Gipfel in den italienischen Abruzzen anders sein. Der Begriff Damenprogramm bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn ihn Premier Silvio Berlusconi in den Mund nimmt. Der 72-Jährige ist in Bestform. Bald wieder Single. Und er will was erleben. Wie er sich um Staatsgäste kümmert, wird diskutiert, seit Bilder auftauchten, die den nackten und ziemlich erregten tschechischen Ex-Premier Mirek Topolanek in Berlusconis Villa zeigen sollen. Auf anderen Fotos tummeln sich junge, halbnackte Frauen.
Die Vorfreude bei einzelnen Gipfelteilnehmern, dass das Damenprogramm ins politische Zentrum rückt, ist also gerechtfertigt. Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi hat schon für seinen Italienbesuch am Mittwoch den Wunsch geäußert, vor 700 Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft und Kultur sprechen zu dürfen, darunter Italiens Gleichstellungsministerin und Ex-Modell Mara Carfagna.
Am Ende könnte die Aussicht, dass Berlusconi das protokollarische Zepter schwingt, auch das reguläre Damenprogramm stärken. Vergangenes Jahr noch glänzte etwa Carla Bruni-Sarkozy durch Abwesenheit. Dieses Jahr könnte die Ehefrau des französischen Präsidenten den Wunsch haben, ihrem Gatten nahe zu bleiben - vorausgesetzt natürlich, dass er sie auf seinen Ausflug mitnimmt.