Der Chinese ist ein verkanntes Wesen. Sogar, dass er dem Amerikaner so viel Zeug verkauft und auch dessen Leben auf Pump erst ermöglicht hat, wird ihm jetzt angelastet. Und auch sonst hat das Land dieser Tage ja wieder eine besonders schlechte Presse. Das ist undankbar, wenn man bedenkt, dass man sich in Fernost kräftig müht, den Untergang des Abendlandes aufzuhalten.
Wann immer eine Branche im Westen am Boden liegt: China leistet Erste Hilfe, saugt dem Patienten todesmutig das lebensbedrohliche Gift aus den Adern oder führt ihm frisches Blutplasma zu. Das Finanzsystem ist am Ende? Ein chinesischer Staatsfonds pumpt prompt noch ein paar Milliarden in die einstige Investmentbank Morgan Stanley. Amerika wehklagt, der insolvente Autoriese GM aus Detroit habe über Jahre die falschen Autos gebaut? Flugs erbarmt sich ein chinesisches Unternehmen der Spritschlucker und kauft der US-Regierung den verteufelten Geländewagen Hummer ab - und bessert so nebenbei ganz selbstlos Amerikas CO2-Bilanz auf.
Vielleicht ist es das schlechte Gewissen ob seiner gigantischen Handelsbilanzüberschüsse, das China antreibt. Vielleicht auch nur ein Faible fürs Altmodische.
Dafür spricht, dass der Chinese furchtbar gern französisch heiratet. Das Städtchen Tours im Loire-Tal verdankt diesem Umstand einen ganzen Wirtschaftszweig: chinesische Gruppenhochzeiten mit bis zu zwölf Paaren à 3990 Euro. Dass die Gäste beim Festmenü den Käse weglassen (die Milchunverträglichkeit?) ist aber äußerst egoistisch. Wo es doch Europas Milchbauern so schlecht geht.