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Merken   Drucken   09.07.2009, 20:55 Schriftgröße: AAA

Das Letzte: Das Youtube-Pranger-Prinzip  

Manche genießen ihre Rache ja am liebsten als kalt serviertes Gericht. Andere, wie der Graf von Monte Christo, werkeln jahrelang im Stillen, um dann Vergeltung in biblischen Dimensionen zu üben. von Matthias Oden
Die kanadischen Countryrocker Sons of Maxwell gehen da etwas bedächtiger vor: Weil die Gepäckabfertigung von United Airlines eine 3500 $ teure Gitarre zu Klump abfertigte, die Musiker aber keine Entschädigung dafür erhielten, schrieben sie den Song "United Breaks Guitars", drehten ein Video dazu und luden es auf Youtube hoch. Und weil das schon eine knappe halbe Million Zuschauer gesehen haben, versprach die Fluglinie prompt Wiedergutmachung.
Wir wittern in dieser Form medialer Bloßstellung die ganz große Chance aller von Hotline-Knilchen und Service-Schranzen Gebeutelten. Die Bahn findet mal wieder den Bahnhof nicht - "Grube Wastes My Time" ins Netz gestellt, schon klappt es mit der Entschädigung. Ein Evergreen deutscher Dienstleistungselegien wäre sicher ein Song mit dem knackigen Titel: "Die Telekom schaltet meinen Anschluss nicht frei und schickt mir dauernd falsche Rechnungen, weshalb ich zur Konkurrenz gewechselt bin, nur ist die auch nicht besser: Die Techniker kommen immer, wenn ich nicht da bin."
In der Politik stieße das Prinzip Youtube-Pranger aber an seine Grenzen. Nicht etwa, weil der Schaden nicht zu beziffern wäre. Im Falle von "Die Zocker von den Banken versauen mir den Etat" ginge das sogar ziemlich genau: 509.000.000.000 Euro. Das Problem liegt woanders. Denn mal ehrlich: Wer will Peer Steinbrück singen hören?
  • Aus der FTD vom 10.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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