Jetzt schlagen die Großen also zurück. Bei Volkswagen rechnen sie gerade durch, ob sie nicht Porsche übernehmen, statt sich von der viel kleineren Flitzerschmiede übernehmen zu lassen. Und der Zulieferer Conti hat festgestellt, dass er sich nicht unbedingt von einer Kleinfamilie aus Franken namens Schaeffler vorführen lassen muss.
Wie unter dem Beschuss einer Steinschleuder zerplatzen in diesen Tagen die Träume aller, die gehofft hatten, dass es sympathische Davids den Goliaths einmal richtig zeigen. Nimmt man die Underdog-Romantik einmal beiseite, hätte aber allen Träumern klar sein müssen, dass Siege der Kleinen über die Großen nie von Dauer sind. Das zeigt die Historie der großen Schlachten.
Wie war das zum Beispiel mit Arminius, dem Cheruskerfürsten? 9 nach Christus gelang ihm in der berühmten Varusschlacht erst ein Sensationssieg gegen die übermächtigen Römer. Wenige Jahre später wurde er dann von seinen Verwandten ermordet.
Oder der winzige TSV Vestenbergsgreuth. Unsterblich machte sich der Regionalligist 1994, als er den großen FC Bayern aus dem DFB-Pokal warf. Im Jahr darauf starb der (fränkische!) Klub doch. Eine Fusion mit einem Lokalrivalen machte ihm den Garaus.
Oder das kleine Bobbele aus Leimen, das bereits als 17-Jähriger die Tennisgrößen als Verlierer vom Platz schickte. Heute lebt es davon, die Hochzeit mit ständig neuen Partnerinnen bei "Wetten, dass..?" anzukündigen.
Wir müssen uns wohl damit abfinden: Für die Banken mag der Grundsatz "too big to fail" gelten. Für alle anderen lautet das Prinzip eher: "too small to succeed".Thomas Steinmann