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Merken   Drucken   12.09.2005, 20:43 Schriftgröße: AAA

Das Letzte: Die Ratte ist ein Kunde  

Die Inder, so glauben wir ängstlichen Deutschen seit Jahren, sind klüger, schneller, fleißiger und sowieso einfach besser. Der Inder ist der USB-Stick, der Deutsche bleibt die Floppydisk der Computerwelt. von Horst von Buttlar
Sind wir denn nirgendwo mehr besser? Doch, es gibt Beispiele: Um Ratten zu vertreiben, brauchen wir - etwa in Hameln - nur einen beleidigten Mann mit Flöte; die indische Hauptstadt Neu-Delhi hingegen einen ganzen Apparat: Sie leistet sich eine Rattenfängerbehörde mit insgesamt 97 Mitarbeitern mit einem festen Gehalt von je 3500 Rupien (65 Euro).
Es gibt nur ein Problem: Der letzte erfolgreiche Einsatz der städtischen Rattenfänger liegt bereits elf Jahre zurück. Die Bewohner stellen inzwischen selbst Fallen auf, weil die Ratten überall sind. Was tun? Reformieren? Zerschlagen? Abschaffen? Um Missverständnissen vorzubeugen: Nicht dass Deutschland ein Rattenproblem hätte oder wir Vergleiche anstellen wollen. Aber wir könnten mit unserer Expertise und Erfahrung beim erfolgreichen Umbau von Behörden, die vor ähnlichen Bilanzen standen, durchaus von Nutzen sein. Wir glauben, dass der Riesenapparat mit seinen 97 Mitarbeitern nicht reformierbar ist. Er sollte in eine moderne Agentur umgebaut werden, die den Rattenfang als Dienstleistung und die Ratte als Kunden begreift. Jeder Ratte in Neu-Delhi sollte künftig ein Fallenmanager zugeordnet werden, der nach dem Prinzip "Ködern und morden" dafür sorgt, dass sie keine Perspektive mehr hat.
Also, liebe Inder. Bei Fragen ausnahmsweise einfach mal in einem unserer Callcenter anrufen. Ist ja nur ein Ortsgespräch.
  • Aus der FTD vom 13.09.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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