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Merken   Drucken   11.06.2009, 19:57 Schriftgröße: AAA

Das Letzte: Ein Zar für Amerika  

Ausgerechnet der Musterdemokrat Barack Obama hegt eine Vorliebe für russische Monarchen. Jetzt sollen sie sogar in der amerikanischen Wirtschaft durchregieren. von Ruth Fend
Klar, Barack Obama  hatte versprochen, dass sich Amerika unter seiner Präsidentschaft verändern werde. Aber konnte man ernsthaft damit rechnen, dass mit dem "Change" ein portugiesischer Wasserhund namens Bo ins Weiße Haus einziehen würde? Und vor allem: Dass ausgerechnet ein amerikanischer Präsident eine bizarre Marotte für das Zarentum kultivieren würde?
Gleich eine ganze Reihe von Zaren hat Obama in seiner bisherigen Regierungszeit gekrönt. Wer begleitete General Motors  auf seiner Fahrt in die Insolvenz? Der Auto-Zar. Wer führt fürs Verteidungsministerium bald Krieg im Internet? Der Cyber-Zar. Jetzt hat Obama wieder zugeschlagen und einen "Pay Tsar" ernannt. Kenneth Feinberg alias "Special Master" soll die Löhne von Managern in Unternehmen überwachen, die an Geld und Gnade der Regierung hängen.
Was soll das? Hegt der Demokrat eine heimliche Sehnsucht nach der autokratischen Willkür, die den russischen Schreckensherrschern nachgesagt wurde? Will Obama den Reset-Knopf in den Russlandbeziehungen drücken, indem er auf gute alte Zeiten vor dem Kalten Krieg zurückgreift? (Der letzte Zar wurde 1918 von Bolschewiken ermordet.)
Alles unwahrscheinlich. Außergewöhnliche Zeiten verlangen außergewöhnliche Titel. So kommen Auto-Zar und Gehalts-Zar als strenge Kontrolleure ins Spiel, wenn der Staat bei Krisenkonzernen durchgreift. Das Phänomen ist übrigens auch bei uns zu beobachten. Nur verfügen wir noch über eigene Adelstitel. Der oberste ökonomische Ordnungshüter wird hier einfach "Baron aus Bayern" genannt.
  • Aus der FTD vom 12.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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