Warum machen "die da oben" nicht das, was der Wähler will? Wir hätten da eine These: Die Politiker verstehen den Wähler einfach nicht mehr.
Die Vermutung stützt sich auf Ergebnisse der Fördergemeinschaft "Gutes Hören", die sich unter den Abgeordneten einmal umgehört hat. Nach einer umfangreichen phonetischen Untersuchung in acht deutschen Parlamenten haben die Humanakustiker festgestellt, dass 40 Prozent der Abgeordneten nicht gut hören. Dagegen leide im Bevölkerungsdurchschnitt nur jeder Fünfte an Schwerhörigkeit. Grund ist in der Regel das hohe Alter von Politikern.
Es ist schon schlimm genug, dass Wählers Wille aus dem Wahlergebnis nicht mehr eindeutig abzulesen ist. Selbst wenn ein Volksvertreter nachfragt, vernimmt er nur undeutliches Gebrabbel. Auch Angela Merkel und Matthias Platzeck dürften nun ahnen, warum nach dem Ruf zur Geschlossenheit gleich wieder einer quer schießt.
Überhaupt wird einiges klar: Warum im Parlament einige Abgeordnete immer "Hört, hört" rufen - sie signalisieren, dass etwas angekommen ist.
Und da bekanntlich Schwerhörige ihrem Gegenüber unterstellen, dass es auch nichts versteht, wissen wir endlich auch, warum die Politiker seit Jahren so laut nach Reformen rufen. Die glauben tatsächlich, wir verstehen sie nicht.