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Merken   Drucken   18.02.2007, 16:35 Schriftgröße: AAA

Das Letzte: Jenseits von Wuppertal  

Nichts ist langweiliger als eine tote Sprache, das können Generationen von Lateinschülern bezeugen. Zum Glück ist das Deutsche quietschlebendig. Es produziert fortwährend neue Wörter und verpasst alten von Zeit zu Zeit einen frischen Anstrich. von Thomas Steinmann
Nehmen wir das schöne Wort wuppen. Bis vor Kurzem ist uns wuppen noch chinesisch vorgekommen - es sei denn, wir hatten einen Opa an der Ruhr oder im Münsterland, wo der Begriff mitunter für den Beischlaf steht (daher wohl der Name des Flusses Wupper und der Stadt Wuppertal). Auch die Fallschirmspringer unter uns kannten das Wort: Es bezeichnet das Pulsieren einer Gleitfallschirmkappe in Spannweitenrichtung, wobei die Fallschirmenden abwechselnd nach oben und unten bewegt werden. (Hätten Sie's gewusst?)
Der großen Mehrheit aber war wuppen lange ein Fremdwort. Schleswig-Holsteins Landesmutter Heide Simonis hinterließ uns ratlos, als sie 2004 ankündigte, "es noch mal wuppen" zu wollen. Klar war nur: Ihren späteren Auftritt in einer TV-Tanzshow meinte sie damit nicht.
Doch wie gesagt, Deutsch ist lebendige Sprache, der aus dem Norden stammende Begriff schaffte es zuletzt sogar in den Frankfurter Großbankenspeak - als Synonym für etwas schaffen.
Wie die FTD erfuhr, kursieren nun in der Geldszene sogar E-Mails, in denen über die Bedeutungen des Wortes sinniert wird. Sollten auch Sie diese Mail erhalten, müssen wir Sie aber warnen: Lassen Sie sich beim Lesen während der Arbeitszeit nicht von Ihrem Vorgesetzten erwischen - sonst gehen Sie über die Wupper.
  • Aus der FTD vom 19.02.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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