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Merken   Drucken   17.12.2006, 17:33 Schriftgröße: AAA

Das Letzte: Jesus und Osama in Paris  

Die Welt sucht Osama und beschränkt sich dabei auf einen Mann und ein paar Orte hinter den sieben Bergen. Doch das Böse ist unter uns. Ich habe Osama gefunden: in einem Sprachkurs in Paris. von Sabine Muscat
Osama trägt Nike-Turnschuhe und setzt die Baseballkappe rückwärts auf. Er ist US-Amerikaner mit arabischen Wurzeln, aber Genaues weiß man nicht, weil er kaum spricht. Osama ist kein guter Schüler, meistens lächelt er spöttisch in die Runde, dabei kann er kein Plusquamperfekt von einem Imperfekt unterscheiden.
Auch das Gute ist unter uns. Neben Osama sitzt Jesus. Jesus kommt aus Spanien (was die afrikanische Nonne sich schon dachte), er trägt ein kariertes Hemd, kauft den Frauen in der Pause Kaffee und hilft seinen Banknachbarn, wenn sie am Konjunktiv Plusquamperfekt scheitern. Nur Osama lässt ihn abblitzen, was den Mädels aus Marokko imponiert, auch wenn Jesus ihnen keinen Kaffee kauft.
Die Sprachübung besteht darin, die Gedanken eines Mannes zu formulieren, der im Begriff ist, seine Frau von einer Klippe zu stoßen. "Wenn mir das gelingen sollte, wäre mir die Polizei den Rest meines Lebens auf den Fersen", sagt die Nonne aus Benin pragmatisch. Jesus versetzt sich in das Gewissen des Mannes: "Wenn wir nicht geheiratet hätten, hätte ich jetzt nicht so schlechte Gefühle."
Nun soll Osama einen Konjunktiv bilden. "Könnte ich vorher eine Zigarette haben?", sagt er schließlich. Es ist einfach so: Im Vergleich zu Jesus ist Osama eine coole Sau. Ich bin sicher, dass das auch die Nonne zugeben würde.
  • Aus der FTD vom 18.12.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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