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Merken   Drucken   09.10.2008, 20:23 Schriftgröße: AAA

Das Letzte: Jetzt ist Heldenzeit  

In der Krise Islands wurden die drei größten Banken verstaatlicht - jetzt kann nur noch ein echter Held helfen. Und der müsste sich doch finden lassen. von Stephan Radomsky
Wir bräuchten dringend mal wieder einen Siegfried. Einen Überhelden, der erst den Drachen Finanzkrise erschlägt und sich dann um Island kümmert. Denn das Land hat epische Probleme - und zwar von der blutroten Sorte. Doch bange nicht, Reykjavik! Eine ganze Garde von Helden steht zu deiner Rettung bereit.
Warren Buffett  zum Beispiel, der legendäre Titan aus dem fernen Omaha. Ein eigener Staat ist ja das Einzige, was er noch nicht besitzt. Damit würde er endgültig zum Mythos. Als männliche Brunhilde (immerhin einstige Königin von Island) könnte er von einem Thron aus massivem Basalt herab über die Märchenwelt der Finanzen herrschen.
Allerdings scheinen die Trolle in Reykjavik eher Russland zugeneigt. Schließlich bettelten sie dort um Gold aus Alberichs Hort. Vielleicht also lieber ein Heroe aus den Weiten des Ostens?
Roman Abramowitsch wäre dann ein ganz heißer Kandidat. Schließlich hat ja inzwischen jeder Parvenü einen eigenen Premier-League-Club. Und einfach nur eine Südseeinsel wäre wohl auch nicht genug - hat der Nachbar ja auch schon. Warum also nicht mal Nordatlantik?
Auch Boris Beresowskis Herz wallt für Island. Der Oligarch ringt ja ständig mit dem Kreml. Jetzt könnte er es dem listigen Fürsten Wladimir mal richtig zeigen: sich die Vulkaninsel Untertan machen, alles mit Erdwärmekraftwerken vollstellen und ein dickes Stromkabel nach Europa legen. Der Nibelungenschatz wäre ihm damit sicher.
Weine also nicht, Island! Deine Rettung naht, wie einst die der Recken von Chelsea. Na ja, so ähnlich.
  • Aus der FTD vom 10.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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