Die CDU-Übermutter regiert ohnehin wie eine Soze, fordert Kitaplätze statt Muttis am Herd. Der totale Wahlkampf sieht anders aus. Wie man sich in Sachen Familienpolitik wirklich radikal neu positioniert, könnten die Sozialdemokraten am Beispiel Prenzlauer Berg lernen.
In dem für seine Gebärfreudigkeit berüchtigten Berliner Stadtteil fordern Anwohner des Helmholtzplatzes jetzt auf Plakaten kinderfreie Zonen. In den umliegenden Cafés kleben inzwischen Schilder an der Tür: "Kinder willkommen" oder "Kinderwagen müssen draußen bleiben". Ganz klar, die Kinderlosen brauchen eine Lobby. Alkoholiker, die früher entspannt auf den Parkbänken pichelten, fühlen sich durch militante Mütter verdrängt und ihrer grundlegenden Rechte beraubt. Fußgänger fühlen sich von rasenden Gören auf Laufrädern bedroht und erwägen, nur noch mit Knieschonern auf die Straße zu gehen.
Eine spontane Stichprobenbefragung im privaten Umfeld zeigt: Prenzlauer Berg ist überall. Schutzzonen für Erwachsene fänden Anklang, ob im ICE oder im Freibad, auch ein kinderfreier Zootag sorgt unter Tierliebhabern für Begeisterung. Manche wollen auch nur mal wieder ungestört toben können - und ohne schlechtes Gewissen bei Rot über die Ampel gehen. Kleiner Tipp: Viele dieser Bürger zählen zu den unter 35-jährigen Wechselwählern.