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Merken   Drucken   06.05.2009, 20:27 Schriftgröße: AAA

Das Letzte: Lernen von Disney  

Je verzweifelter die Lage ist, desto einfacher wird es, Sicherheit zu schaffen. Wenn alle Sicherheiten zerbröselt sind und sich jedes Vertrauen verflüchtigt hat, dann bleibt ein felsenfester Grundsatz: Menschen sind gefährlich. Man muss sie überwachen. Alle. Ständig. von Martin Virtel
Es ist dieser Mangel an Zutrauen, der das System lähmt und uns wie allen anderen wahren Liberalen zu schaffen macht. Denn leider gibt es auch unter unseren Freunden, den Konzernen, solche, die vor lauter Kontrolle nicht mehr klar denken können.
Zum Beispiel Walt Disney , die weltberühmte Familienvergnügungsfirma. Zehn Jahre lang hat sie Menschen dafür bezahlt, die automatisch erstellten Souvenirfotos in seinen Freizeitparks auf nackte Busen zu kontrollieren. Weil es ja sein könnte, dass eine BH-lose Achterbahnfahrerin heimtückisch das T-Shirt hochreißt, während der Wagen an der Kamera vorbeirauscht.
Seit Sonntag ist diese Kontrollmaßnahme Geschichte, mit dem Topless-Fotozensor ist einer der langweiligsten Jobs der Welt unwiderruflich verloren gegangen. Er hätte nie existieren müssen. Kleinlaut gibt Disney zu, dass unangemessenes Verhalten dieser Art in der Achterbahn sehr selten vorkommt.
Nur ein kleiner Hoffnungsfunke für den Liberalismus, aber immerhin ein Funke. Möge er die Fantasie der Famileinvergnüngunskonzerne entzünden, und aller anderen wichtigen Institutionen auch. Nur unkontrollierte Menschen lernen, ihren Verstand zu gebrauchen. Und nur Menschen, die ihren Verstand gebrauchen, lassen sich keine Ramschhypotheken aufschwatzen.
  • Aus der FTD vom 07.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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