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Merken   Drucken   20.02.2008, 20:59 Schriftgröße: AAA

Das Letzte: Liechtensteins Erben  

Die goldenen Zeiten diskreter Anti-Steuer-Stiftungen in Liechtenstein sind vorbei. Europas verfolgte Reiche, deren Population durch vermehrte Bejagung stark unter Druck gerät, brauchen ein neues Biotop für den Erhalt ihrer Art. von Olaf Preuss
Der Vatikan böte sich an, doch der ist mit der Verwaltung umfangreicher Eigenmittel beschäftigt. San Marino wäre zu erwägen, mit seinem herrlich mediterranen Klima und der Offenheit für Fremde. Doch ist auch dieser Zwergstaat eingeschlossen von Italien, und wer möchte sein Geld ruhigen Gewissens in Italien arbeiten lassen? So waghalsig ist nicht einmal die Mafia.
In dieser wahrlich prekären Lage lockt ein neues Steuerparadies - oder sagen wir: ein Landstrich mit paradiesischen Perspektiven. Einsame Täler und schroffe Berge, marodierende Banden und kriegerische Stämme, die ihre Heimat tapfer gegen Eindringlinge verteidigen: Wo läge sauer verdientes Schwarzgeld sicherer als im Herzen des Balkans - im Kosovo?
Alle Zeichen stehen auf Überweisung - von Vaduz nach Pristina. Bereits am Sonntag, nur drei Tage nach der Zumwinkel-Razzia, erklärte das Kosovo seine Unabhängigkeit. Die smarten Kosovaren wissen: Auf dem Balkan findet man nicht mal einen Schatz wie Radovan Karadzic - warum dann ausgerechnet ein paar unversteuerte Millionen?
Die Bundesregierung ahnt, dass sie nach Zumwinkels Sturz die Aussöhnung mit ihren prominenten Steuersündern suchen muss, um Deutschland im Gleichgewicht zu halten. Am Mittwoch tat Berlin den ersten Schritt und erkannte die Unabhängigkeit des Kosovo an.
  • Aus der FTD vom 21.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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