Entgegen landläufiger Meinung hat Angela Merkel dabei bislang alles richtig gemacht. Fünf Gründe, warum nur sie die Fernsehschlacht gegen Gerhard Schröder gewinnen kann:
1. „Mach Dich rar!“ lautet eine alte Weisheit im Marketing und im Showbiz. Zuviel des Gleichen langweilt nur das Publikum. Wer will schon zweimal stundenlange Debatten über Gesundheits-Kopfpauschalen und Renten-Nachhaltigkeitsfaktoren, das Günstigkeitsprinzip im Tarifrecht oder die Feinheiten der Steuerpolitik ertragen? Einmal aufs Ganze, ein finales Showdown – das reicht.
2. Aussehenstechnisch hat die Kandidatin gegen den „die-Haare-garantiert-nicht-gefärbt“- Kanzler kräftig aufgeholt: Gesträhnter Pony gegen Fassonschnitt, Apricot gegen Nicht-mehr-Brioni, Rock gegen Bügelfalte – das Duell um die Schönheitspunkte ist mindestens offen. Nur bei der Krawatte hat Merkel schlechte Karten. Ein Missgeschick wie weiland Richard Nixon kann ihr jedoch nicht passieren: Der verlor 1960 den ersten Fernsehzweikampf der Wahlkampfgeschichte auch deshalb gegen den smarten John F. Kennedy, weil er schlecht rasiert war.
3. Das gemeine Volk bewundert zwar die Großen, aber es hält im Zweifelsfall zu den Kleinen. Wer mag schon Bayern München? Und wer würde sich nicht freuen, wenn der FC Zwickau den übermächtigen Dauer-Meister niederränge? Selbst eine knappe Niederlage im direkten Aufeinandertreffen würden die Wahlkampffans als Sieg der Herausforderin feiern, ein Unentschieden als Triumph.
4. Als Frau und Ossi genießt Merkel doppelten Behindertenbonus, der sie quasi unbezwingbar macht. Anders als den Gegner Edi „Äh“ Stoiber kann „Acker“ Schröder sie nicht beinhart attackieren oder mit versteckten Fouls aufs Kreuz legen, wie er es seit seiner Jugend geübt hat. Die Mehrheit der weiblichen Wähler und die Gerechtigkeitsfanatiker in der Ex-DDR würden das wahlweise mit der schwarz-gelben oder dunkelroten Karte ahnden. Schröder bleibt deshalb nur die zweischneidige Waffe der Arroganz („Ach, verehrte Frau Merkel, ich muss Ihnen das mal erklären …“), die sich aber leicht gegen ihn selber richten kann.
5. Obwohl das Verfassungsgericht noch gar nicht entschieden hat, ob wir am 18. September überhaupt wählen dürfen, wirkt der Wahlkampf schon jetzt recht ermüdend. Seit der Wahl in Nordrhein-Westfalen müssen wir uns in der Kantine und am Stammtisch mit so eminent wichtigen Fragen herumschlagen, ob ein Nein bei der Vertrauensfrage nicht in Wahrheit ein Ja bedeutet, ob der Bundespräsident eine eigene Meinung haben darf und ob die frühere SED nun plötzlich Linkspartei/PDS/WASG oder vielmehr Gysi-Ganzschnellweg-Lafontaine (GGL) heißt. Dabei weiß doch sowieso jeder, dass Merkel Kanzlerin wird. Also: bringen wir es hinter uns!