Barack Obamas Pressekonferenz war nicht nur in den Medien ein großes Thema. Die vielleicht gründlichste Analyse findet tags darauf in einem Bus der Linie L2 statt, der von der Washingtoner K Street gen Norden gondelt.
"Hast du den Präsidenten im Fernsehen gesehen?", fragt ein bärtiger Fahrgast den Busfahrer. "Aber klar!", brüllt der Fahrer durch den Bus. "Schwierige Fragen haben sie ihm gestellt!" Eine alte Frau richtet sich in ihrem Sitz auf: "Er hat aber immer nur auf die geantwortet, auf die er wollte!" "Hat er gut hinbekommen", der Bärtige zufrieden. Frau mit blond gefärbten Haaren und Tamburin in der Hand, auf dem "Jesus" steht: "Wir müssen für ihn beten." Ernstes Nicken.
Bärtiger zum Fahrer: "Er hat auch über dich geredet!" Obama hatte erklärt, wie er das Steuersystem gerechter machen will - es sei nicht fair, dass ein Spitzenverdiener von einer 100-$-Spende 39 Prozent abschreiben dürfe, ein Busfahrer aber nur 28 Prozent. "Dabei werden die Fahrer in Washington immer besser!", ruft die Alte. "Er hat mir beim Einsteigen geholfen." Geduld müsse man haben, so der Bärtige. Der Präsident könne Amerika nicht über Nacht zu einem besseren Land machen. "Da müssen wir genauso warten, wie wir stets auf den L2-Bus warten müssen." Die Alte: "Wissen Sie, wofür L2 steht? Late twice" - doppelt verspätet. Tamburin-Frau: "Oh je, wie spät ist es denn? Ist die Frühstückszeit schon vorbei?" - "Nein, bei McDonald's gibt's noch Kaffee", so der Busfahrer. "Alles wird gut." Die Amerikaner haben den präsidialen Aufruf zum Optimismus offenbar erhört.