Dort geht man nämlich ganz unideologisch mit dem Thema um - vielleicht, weil die Amerikaner bereits in frühester Kindheit lernen, mit Überwachungsprogrammen zu leben.
An Tausenden US-Schulen haben Eltern die Möglichkeit, mit Software namens "ParentConnect", "Edline" oder "PowerSchool" Beurteilungen und Noten ihrer Kinder in Erfahrung zu bringen. Hat der Kleine geschwänzt, einen Verweis kassiert oder steht ein Physiktest an: Nichts bleibt den Spähprogrammen verborgen, ohne dass es dafür die Hilfsdienste ehemaliger CIA-Agenten bedürfte. Optional ist eine SMS aufs Handy: "Ihr Sohn hat heute wieder Englisch geschwänzt. Aber immerhin hat er eine glatte Eins in Sport."
Die amerikanischen Schüler finden die Überwachung natürlich nicht so toll - erkennen den Nutzen aber letztlich an, weil sie sich bessere Noten und Abschlüsse erhoffen. Dass auch die stets etwas alarmistischen Deutschen die Vorzüge der Datenerfassung in allen Lebenslagen begreifen, ist aber leider illusorisch. Die überwachten Lidl-Leute bocken, abgehörte Journalisten bestehen gar auf der Pressefreiheit. Trost gibt es für die Telekom nur in Übersee: Wenn das Vertrauen deutscher Kunden in das Unternehmen erodiert, könnte es sich stärker im US-Markt engagieren. Zum Beispiel den SMS-Service übernehmen.