Amerika ist einfach immer einen Zacken schneller als Europa, auch in der Weiterentwicklung der Umgangsformen. Der letzte Trend in der Politszene lautet: Diplomatisches Geplänkel war gestern, probiert's doch mit Ehrlichkeit.
Bei
Gerhard Schröder mussten die Deutschen noch bis ans Ende seiner Amtszeit warten, bis er ihnen als Ex-Kanzler Interpretationshilfen lieferte, was er damals unter "lupenreinen Demokraten" verstand - Geschäftsfreunde von morgen.
George W. Bush reicht dagegen schon sein Status als lahme Ente, um auszusprechen, was er wirklich meint. Er würde "ernsthaft" über CO2-Reduktionsziele nachdenken, verkündete er beim G8-Gipfel - um sich dann von seinen Amtskollegen mit einem Augenzwinkern und folgenden Worten zu verabschieden: "Tschüss vom größten Verschmutzer der Welt".
Auch gegenüber Italiens Ministerpräsident übte Bush keine falsche Zurückhaltung.
Silvio Berlusconi sei der Vertreter eines Landes, "das bekannt ist für Korruption und Lasterhaftigkeit", erfuhren amerikanische Journalisten in einer US-Pressemappe. Wo doch ausgerechnet der "politische Dilettant" wegen seiner Nähe zu den USA als Kandidat galt, die transatlantische Zusammenarbeit wiederzubeleben.
An der Nähe ist aber vielleicht was dran. Kein zweiter Europäer spricht so viel Klartext wie Berlusconi, der einst Schröder aufforderte, aus seinem reichen Erfahrungsschatz mit Frauen zu berichten, und den dänischen Premier als schönsten Staatschef pries. Mehr davon beim G8-Gipfel in Bella Italia. Schade, dass Bush nicht dabei ist.