Seuchen will keiner auch nur testweise haben, aus Angst vor der Katastrophe, die sonst womöglich droht.
Für das Wissen der Menschheit ist so viel Zauderei auf Dauer nicht gut. Man weiß heute schon zu wenig über Seuchen. Genau deswegen steigt die Angst vor ihnen - so ist ein Teufelskreis der Furcht und Unwissenheit entstanden. Seit Jahren traut sich keiner mehr, auch nur ein paar Milzbrandsporen per Post zu verschicken.
Jetzt aber gibt es wieder Ideen. "The Lancet", ein traditionsreiches britisches Medizinerfachblatt, schlägt vor, Epidemien in einer der vielen Online-Spielewelten des Planeten zu testen, etwa in "Second Life". Inspiration für diesen Vorschlag ist "World of Warcraft", eine dieser Welten, die kürzlich durch einen von Tieren auf Menschen übertragbaren Programmierfehler um ein Haar entvölkert wurde. Die Forscher fanden das massenhafte digitale Verenden lehrreich und möchten mehr davon.
Der Vorschlag hat einigen politischen Charme. Man kann die Seuche im Virtuellen so lange optimieren, bis sie genau auf die Notfallpläne passt - von gekeulten Enten, die der Vogelgrippeprävention zum Opfer fallen, gibt es dann eine Sicherheitskopie.
Wenn das Verfahren erprobt ist, sollten wir auch andere komplexe soziale Vorgänge zuerst im Virtuellen durchspielen, etwa die Wahl von Großen Koalitionen. Oder die Vergabe billiger Hypotheken.