Und weil bislang keine TV-Serie über "Das Schwarzwaldfinanzamt" gedreht wurde. Auch aus eigenem Erleben wissen wir, dass Ärzte etwas ganz Besonderes sind. Immer wieder sahen wir, dass gestandenen Apothekern der Schweiß ausbrach, wenn sie versuchten, das Rezept unseres Hausarztes zu entziffern. Und ehrfurchtsvoll staunend vernahmen wir aus Internistenmunde die Diagnose Angina pectoris, was wir lange als eine Variante von Halsschmerzen deuteten. Kurzum: Wir verstanden nichts und glaubten den Halbgöttern in Weiß deshalb alles.
Damit soll nun Schluss sein. Immer mehr Universitätskliniken bieten für angehende Ärzte so genannte Kommunikationstrainings. Deren Ziel: Sie sollen sich ihren Patienten verständlich machen. Und genau das darf nicht sein. Halbgötter mit Klartext? Wo bleibt denn da der Nimbus des Unerreichten, der den Berufsstand autorisiert, Roman- oder TV-Vorlage zu sein? Das wäre profan. Also ihr Ärzte: Wehrt euch!
Vor allem angesichts der zu erwartenden Weiterungen. Irgendwann kommt noch jemand auf die Idee, den Politikern zu verbieten, dass sie in regelmäßigen Abständen die Senkung der Arbeitslosigkeit versprechen. Oder Fußballtrainern die Behauptung zu untersagen, allein der Schiedsrichter habe auch diese Niederlage zu verantworten. Nein, an den maßgeblichen Charakteristika eines Berufsstandes darf nicht gerüttelt werden. Das verlangt nicht einmal die Agenda 2010.