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Merken   Drucken   30.12.2008, 08:51 Schriftgröße: AAA

Blick in den Abgrund: Tschüss, Depot!  

2008 war ein Jahr, in dem fast jeder Anleger Geld verloren hat. Wie oft haben wir in unser Depot geschaut? Wir sollten damit aufhören, denn es ist ein Blick in den Abgrund. Eine Jahresabrechnung. von Horst von Buttlar
Mein liebes Depot,
Überraschung! Zum Jahresende bekommst Du einen Brief von mir. Normalerweise bekomme ich ja in diesen Tagen Post von Dir, nun soll es umgekehrt sein. Wenn ich nachdenke, wer einen Brief verdient hat und braucht, dann bist Du es. Denn kaum einer hatte ein so turbulentes (darf ich sagen: beschissenes?) Jahr wie Du. 2008, glaube ich, kann man mit einem Satz zusammenfassen: Drama, Baby, Drama. Aber ich habe Dir auch Einiges mitzuteilen.
Ich habe Dich lang nicht mehr gesehen. Früher, da habe ich manchmal fast täglich nach Dir geschaut, ich habe mich gefreut zu sehen, wie Du wächst. Viele Jahre hast Du Dich ganz prächtig entwickelt. Es war eine schöne Zeit! Ich will nun ganz ehrlich sein: Ich habe mich so lange nicht um Dich gekümmert, weil Du mir große Sorgen gemacht hast. Dein tiefer Absturz zu Beginn des Jahres, dann diese Aufs und Abs, Dein ständiges Schwanken. Du bist immer öfter völlig außer Kontrolle, so unberechenbar.
Ich wollte, ich konnte das nicht mehr sehen. Und nun, als ich vor einigen Tagen nach Dir geschaut habe, war ich wirklich erschrocken. Ich möchte offen sein: Du siehst nicht gut aus. Du hast stark abgenommen.
Du siehst so übel aus - darf ich Dich fragen, wie Du das kommende Jahr überstehen willst? Hey Mann, wir bekommen eine fette Rezession, und Du siehst bereits aus, als läge sie hinter Dir. Ich weiß, dass immer wieder irgendwelche Experten sagen, dass es Dich als Erstes erwischt. Du nimmst Entwicklungen vorweg. Ich glaube aber, dass es diesmal anders ist. Du wirst Dich das ganze Jahr nicht erholen, vielleicht geht es erst wieder 2010 bergauf mit Dir. Wenn überhaupt.

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