FTD.de » Meinung » Kommentare » Clausen - Revolution vertagt
  FTD-Serie: Systemfrage

Der von allen Fesseln befreite Markt hat sich ausgetobt - und Trümmer hinterlassen. Als Aufräumkommando greift der Staat ein. Aber wie geht es danach weiter? Zieht sich der Staat zurück, oder übernimmt er die Vormundschaft über den Markt? Und welche Folgen hat das? Die FTD stellt die Systemfrage.

Merken   Drucken   09.04.2009, 08:56 Schriftgröße: AAA

Die Systemfrage - Kommentar: Clausen - Revolution vertagt  

Die Systemfrage ist entschieden: Der Kapitalismus wird aus seinen Fehlern lernen und fortbestehen. Die Hoffnungen, dass es dabei solidarischer zugeht, sind aber übertrieben. von Sven Clausen
Langsam kehrt Ruhe ein. Nicht dass nicht noch eine Welle weiterer Katastrophenmeldungen aus den Unternehmen über den Globus rollen wird. In den USA beginnen die Konzerne gerade erst, über den Verlauf des ersten Quartals zu berichten. Und was der Aluminiumproduzent Alcoa - traditionell einer der Ersten, die aus der Deckung kommen - am späten Dienstagabend vermeldete, liest sich ziemlich düster: Um 36 Prozent brach der Umsatz ein. So wird es weitergehen. Und es wird bitter werden, für Beschäftigte wie Investoren.
Angesichts dieser Zahlen von Stabilisierung zu sprechen mag vermessen klingen. Dennoch schält sich nach all den Feuerwehreinsätzen der vergangenen Monate langsam eine Art ordnungspolitischer Kompass heraus. Zwar hat sich die Welt nicht auf ein Wirtschaftssystem mit einem Dutzend klarer Regeln und einem plumpen Etikett geeinigt, das den ganzen Globus umspannt. Das ist auch nicht erstrebenswert, denn es muss weiter einen Wettstreit der Ideen geben. Wohl aber haben die wesentlichen politischen Akteure Ziele definiert und sich auf Grenzen geeinigt, die nicht überschritten werden dürfen.
Das Ergebnis sieht im Wesentlichen so aus: Das Prinzip der freien Märkte ist nicht tot, der Kapitalismus ist noch immer das beste System, das wir haben. Die Krise hat aber Fehler im System offenbart, die beherzt beseitigt werden müssen.
Diese Schlussfolgerung ist nicht trivial: In den Monaten nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wurden nicht wenige Totengesänge auf den Kapitalismus und den Grundsatz freier Märkte angestimmt. Auch in Deutschland priesen Spitzenpolitiker wie Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) oder Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) plötzlich die Vorteile des Marxismus. Und in den USA war einige Tage lang unklar, wie stark der neue Präsident Barack Obama mit einer "Buy American"-Politik den größten Markt der Welt abschotten würde.
Wenn Trichet revolutionär eindeutig wird
Auch die Financial Times Deutschland beteiligte sich in den vergangenen Wochen mit der Debattenreihe "Die Systemfrage" an der Diskussion und bat Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kirche um Reformvorschläge.
Einen Beleg für das Ausmaß der Orientierungslosigkeit und die Bedeutung der erhitzten Diskussionen der vergangenen Monate liefert Mirek Topolanek, zu dem Zeitpunkt noch Ministerpräsident der Tschechischen Republik und amtierender EU-Ratsvorsitzender, in seinem FTD-Kommentar Mitte März: Jean-Claude Trichet habe ihn "darüber unterrichtet, dass derzeit keine Wirtschaftstheorie und kein Modell geeignet ist, die künftige Entwicklung vorherzusagen". Für den Präsidenten der Europäischen Zentralbank ist das eine geradezu revolutionär eindeutige Aussage.
  • Aus der FTD vom 09.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  27.05. Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote