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Merken   Drucken   27.07.2009, 12:36 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Alte Lobby im neuen Öko-Gewand  

Ob "grüne Gentechnik" oder "wissensbasierte Bioökonomie" - die Versuche der Agro-Gentechnikindustrie, sich reinzuwaschen, sind durchsichtig. Trotzdem werden sie von der Regierung unterstützt. von Renate Künast
Renate Künast ist Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag.
"Färbt uns grün!" - das war vor rund 20 Jahren der Auftrag der Agro-Gentechnikindustrie an diverse PR-Berater, um das angeschlagene Image aufzupolieren. Fortan nannten sie es "grüne" Gentechnologie - genutzt hat es der Branche wenig. So leicht lässt sich die Gesellschaft eben nicht hinters Licht führen. Die übergroße Mehrheit der deutschen und auch der europäischen Bevölkerung lehnt den Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen ab. Sie ist skeptisch - nicht nur, weil es ernst zu nehmende wissenschaftliche Risikostudien gibt, sondern auch, weil einmal in die Umwelt freigesetzte Genpflanzen nicht mehr rückholbar sind.
Heute versucht sich die Agro-Gentechnikindustrie angesichts von Welthunger und Klimawandel mit einem neuen Slogan, den sich auch Forschungsministerin Annette Schavan zu Eigen macht: der "wissensbasierten Bioökonomie". Klingt modern, bedeutet aber im wörtlichen Sinne zunächst nur, dass die Wirtschaft biologisches Wissen nutzen will. Was ja an sich nicht schlecht, aber auch nicht neu ist. Bäcker, Brauer, Züchter und Landwirte nutzen seit Jahrtausenden ihr Wissen um besondere biologische Eigenschaften von Organismen und verdienen damit ihr Geld.
Das Problem dabei ist: Die Agro-Gentechnikindustrie meint nicht nur die Nutzung von Wissen um biologische Vorgänge, sondern die gentechnische Veränderung von Organismen. Damit, so versprechen uns Konzerne wie Monsanto  oder BASF , lasse sich die Produktivität in der Landwirtschaft steigern. Die moderne gentechnisch veränderte Pflanze soll quasi die Eier legende Wollmilchsau der Zukunft sein - sie soll Dürrekatastrophen überstehen, den steigenden Bedarf nach Energiepflanzen decken und nebenbei auch noch die Welternährung sichern.

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