Christian Veith ist Deutschlandchef der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG).
Die Bundeskanzlerin hat kürzlich die "Bildungsrepublik Deutschland" ausgerufen und "Bildung für alle" als wichtigste Voraussetzung genannt, um "Wohlstand für alle" zu schaffen. Im deutschen Bildungssystem gilt gegenwärtig - leider - das Umgekehrte: Die soziale Herkunft entscheidet weitaus stärker als anderswo über den Bildungserfolg und damit über die Chancen auf Wohlstand des Einzelnen. Das gilt für Kinder aus sozial benachteiligten Familien und besonders für Schüler mit Migrationshintergrund.
Eine demnächst erscheinende Studie der Boston Consulting Group weist nach, dass Bildungsprobleme nicht nur soziale und politische Fragen aufwerfen - sie entwickeln sich zum Standortnachteil, der die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt.
Auf dem Arbeitsmarkt öffnet sich schon heute die Schere zwischen Angebot und Nachfrage. Am Hochlohnstandort Deutschland suchen Unternehmen und Investoren nach hoch qualifizierten Mitarbeitern, während die Jobchancen für Niedrigqualifizierte weiter sinken. Der in vielen Branchen beklagte Fachkräftemangel wird sich durch den demografischen Wandel noch verschärfen: Laut OECD kommen in Deutschland auf 100 Ingenieure im Renteneintrittsalter nur 90 Berufsanfänger. Den Unternehmen fehlen zunehmend die Mitarbeiter, die sie brauchen, um sich im weltweiten Wettbewerb zu behaupten.