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Merken   Drucken   21.07.2007, 10:00 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Demografische Bombe  

Der Rückgang der Geburtenraten stabilisiert den Libanon. Doch bei den palästinensischen Flüchtlingen gärt neues Krisenpotenzial. von Gunnar Heinsohn
Kommt es im 60-jährigen Kampf zwischen Israelis und Palästinensern (1947-2007) zu etwa 12.000 Toten, weil die jüdische Seite gezielt und nicht blindwütig reagiert, so schaffen die wahllos tötenden libanesischen Fraktionen in nur einem Viertel der Zeit ein Zwölffaches der Opfer.
Der demografische Treibsatz hinter den libanesischen Bürgerkriegstötungen ist bis heute nicht bewusst. Meist werden die vielen Religionen oder die Juden Israels beschuldigt. Bei jeder passenden Gelegenheit wird aus Gedankenlosigkeit, aber auch aus Sensationslust ein Wiederaufflammen des levantinischen Blutvergießens beschworen. Nach dem Hariri-Mord im Februar 2005 und nach dem Syrer-Abzug im April 2005 sollte es losgehen, dann wieder nach dem Hisbollah-Krieg gegen Israel im Sommer 2006 sowie nach der Ermordung Gemayels im November 2006 und seit dem 20. Mai 2007 wegen des Islamistenaufstands in der Palästinenserstadt Nahr al-Barid.
Gewiss hat es dort bis Mitte Juli über 200 Tote gegeben, darunter 89 Soldaten und 75 Fatah-Anhänger. Aber gegenüber 1000 Opfern monatlich auf dem Höhepunkt des Bruderkriegs erweisen sich die Voraussagen der Terrorexperten immer wieder als irreführend. Sie haben nicht nur die Explosion der Geburtenzahlen auf sieben pro Frau nach 1945, sondern auch ihren Absturz auf erst 3,4 im Jahre 1990 und dann auf nur noch 1,8 im Jahre 2007 übersehen. Jetzt liegt der Libanon bereits hinter den USA (2,09) und Frankreich (1,98) und ist in den Kreis der schnell alternden Nationen eingetreten. Sein Durchschnittsalter hat sich zwischen 1970 und heute von 14 auf 28 Jahre verdoppelt. Selbst der 1960 geborene Hisbollah-Führer Nasrallah, der noch als eines von zehn Kindern um die Zuwendung seines Vaters konkurrieren musste, hat nur fünf eigene Kinder. Er aber will Vorbild für suizidale Krieger sein, während sein Erzeuger lediglich den Aufgaben eines Gemüsehändlers nachging.

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  • FTD.de, 21.07.2007
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