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Merken   Drucken   20.05.2009, 07:55 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Der Frühling der Zombies  

Die Konjunkturnachrichten sind nicht mehr ganz so katastrophal wie noch vor Kurzem. Aber kaum etwas spricht dafür, dass sich die Weltwirtschaft bald wieder erholen wird. von Joseph Stiglitz
Der Frühling ist in Amerika eingezogen, und die Optimisten sehen "grüne Sprösslinge" der Erholung. Die Welt ist ganz anders als vor einem Jahr, als die Regierung Bush wieder einmal behauptete, "Licht am Ende des Tunnels" zu sehen. Die Metaphern und die Regierung wurden ausgewechselt, der Optimismus, so scheint es, ist derselbe.
Die gute Nachricht ist, dass wir vielleicht am Ende des freien Falls angekommen sind. Die Geschwindigkeit des Abschwungs hat sich verringert. Die Talsohle könnte bald erreicht sein - vielleicht am Ende des Jahres. Aber das heißt nicht, dass die Weltwirtschaft in nächster Zeit eine stabile Erholung hinlegen wird. Die Talsohle zu erreichen ist kein Grund, die kraftvollen Maßnahmen zu beenden, mit denen die Weltwirtschaft wiederbelebt werden soll.
Dieser Abschwung ist komplex: eine Wirtschaftskrise kombiniert mit einer Finanzkrise. Bevor er einsetzte, waren die stark verschuldeten US-Verbraucher der Motor des globalen Wachstums. Dieses Modell ist kaputt und wird nicht so bald ersetzt werden. Denn selbst wenn die amerikanischen Banken gesund wären, haben die Haushalte doch viel Vermögen verloren. Und die Verschuldung und der Konsum der Amerikaner beruhten auf der Annahme, dass die Hauspreise für immer steigen würden.
Der Kollaps der Kreditvergabe hat die Lage verschlimmert; und die Firmen, die vor hohen Kreditkosten und schrumpfenden Märkten stehen, haben schnell reagiert und ihre Lagerhaltung reduziert. Die Aufträge fielen schlagartig - weit mehr als das Bruttoinlandsprodukt -, und die Länder, die von Investitionsgütern und langlebigen Gebrauchsgütern abhängig waren - also von Ausgaben, die aufgeschoben werden können -, wurden besonders schwer getroffen.

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