John Kay ist einer der führenden britischen Ökonomen. Er hat an Hochschulen, Thinktanks, in Unternehmen, Unternehmensberatungen und Investmentgesellschaften gearbeitet und ist regelmäßiger Kolumnist der FT.
Die vergangenen zwei Jahre haben die Reputation der Ökonomen nicht eben gestärkt. Zum überwiegenden Teil haben sie es versäumt, auf fundamentale Schwächen der Finanzmärkte hinzuweisen, und sie haben die Krise nicht vorhergesehen. Jetzt streiten sie sich über die angemessene Politik und über den wahrscheinlichen weiteren Wirtschaftsverlauf.
Obwohl es in den vergangenen 25 Jahren mehr wirtschaftswissenschaftliche Forschung gegeben hat als je zuvor, stammen die Ökonomen, auf deren Namen man sich derzeit am meisten bezieht, aus früheren Generationen. Hyman Minsky und John Maynard Keynes beispielsweise.
Seit den 70er-Jahren haben die Ökonomen an einem großen Projekt gearbeitet. Das Ziel dieses Projekts lautet, dass die Makroökonomie eine mikroökonomische Fundierung haben sollte. Übersetzt in die normale Sprache bedeutet das, dass alles, was wir über die großen Fragen der Wirtschaftspolitik sagen - also über Wachstum und Inflation, Boom und Krise -, auf der Untersuchung von individuellem Verhalten gründen sollte.
Wenn man das so formuliert, dann klingt dieses Projekt offenkundig wünschenswert, ja sogar unverzichtbar. Ich gestehe, dass ich selbst lange davon verführt worden bin.
Die meisten Ökonomen würden behaupten, dass dieses Projekt ein Erfolg war. Aber die Kriterien dafür sind die selbstreferenziellen Kriterien des modernen Wissenschaftsbetriebs. Das größte Kompliment, das man heutzutage einem ökonomischen Argument machen kann, lautet, dass es logisch streng ("rigorous") formuliert ist. Die heutigen makroökonomischen Modelle erfüllen diesen Anspruch mit Sicherheit.
Aber die Politik und die Öffentlichkeit sind zu Recht nicht daran interessiert, ob Modelle streng formuliert sind. Sie wollen wissen, ob sie nützlich und erhellend sind. Und da sehen die strengen Modelle nicht gut aus.
In einer frühen Phase des Projekts entwickelte Robert Lucas, einer der Architekten und ein späterer Nobelpreisträger, die sogenannte Lucas-Kritik: Er argumentierte, dass die normalen Standards der statistischen Gültigkeit auf die Vorhersagen des Projekts nicht angewendet werden sollten. In den Worten seines Kollegen Thomas Sargent war Lucas in Sorge, dass solche Tests "zu viele gute Modelle ablehnen würden".