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Merken   Drucken   27.08.2008, 13:43 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Dmitri Medwedew - Warum ich Südossetien und Abchasien anerkennen musste

Russland hat die Unabhängigkeit der Territorien von Südossetien und Abchasien anerkannt. Dieser Schritt wurde nicht unbedacht und unter voller Abwägung der Konsequenzen getan.
von Dmitri Medwedew

Dmitri Medwedew ist Präsident Russlands

Aber alle möglichen Ergebnisse mussten gegen eine nüchterne Einschätzung der Lage abgewogen werden - die Geschichte des abchasischen und des südossetischen Volks, ihr frei geäußerter Wunsch nach Unabhängigkeit, die tragischen Ereignisse der vergangenen Wochen und die internationalen Präzedenzfälle für einen derartigen Schritt.

Nicht alle Nationen der Welt haben ihren eigenen Staat. Viele existieren glücklich innerhalb Grenzen, die sie mit anderen Völkern teilen. Die russische Förderation ist ein Beispiel für die größtenteils harmonische Koexistenz von vielen Dutzend Nationen und Nationalitäten. Aber einigen Nationen ist es unmöglich, unter der Leitung anderer zu leben. Beziehungen zwischen Nationen, die "unter einem Dach" leben, müssen mit äußerster Sensibilität behandelt werden.

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus fand sich Russland mit dem "Verlust" von 14 ehemaligen Sowjetrepubliken ab, die eigenständige Staaten wurden, obwohl dadurch rund 25 Millionen Russen in Ländern gestrandet waren, die nicht mehr ihre eigenen waren. Georgien beraubte seine "autonomen Regionen" Abchasien und Südossetien unverzüglich ihrer Autonomie.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew   Russlands Präsident Dmitri Medwedew

Die Brisanz der Lage

Können Sie sich vorstellen, wie sich das abchasische Volk gefühlt hat, als ihre Universität in Sochumi von der Regierung in Tiflis mit der Begründung geschlossen wurde, die Abchasen hätten keine anständige eigene Sprache, Geschichte oder Kultur und benötigten deshalb keine Universität? Das gerade unabhängig gewordene Georgien überzog seine Minderheitennationen mit einem brutalen Krieg, bei dem Tausende vertrieben wurden und eine Saat der Unzufriedenheit gesät wurde, die nicht anders konnte als aufzugehen. Diese direkt vor der russischen Haustür liegenden Pulverfässer versuchten die russischen Friedenshüter vor dem Explodieren zu bewahren.

Aber der Westen ignorierte die Brisanz der Lage und nährte damit unwissentlich (oder wissentlich) die Hoffnungen der Südosseten und Abchasen auf Freiheit. Sie drückten mit Michail Saakaschwili einen georgischen Präsidenten an ihren Busen, dessen erster Schritt darin bestand, die Autonomie einer weiteren Region, nämlich Adschariens, zu zerstören. Er machte auch kein Geheimnis aus seiner Absicht, die Osseten und Abchasen zu zerquetschen.

Wider die Mahnungen Russlands erkannten die Länder des Westens unterdessen in aller Eile die illegale Unabhängigkeitserklärung des Kosovo an. Wir haben stets gesagt, dass es danach unmöglich sein würde, den Abchasen und Osseten (und Dutzenden anderer Gruppen in aller Welt) zu vermitteln, dass, was gut für das Kosovo sei, nicht auch für sie gut ist. In der Außenpolitik kann man nicht eine Regel für einige anlegen und eine zweite für andere.

Teil 2: Russlands Optionen

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