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Merken   Drucken   06.02.2009, 12:09 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: George Soros - Was vor uns liegt

Nur eine koordinierte Wirtschaftspolitik kann den Absturz der Weltwirtschaft verhindern. Für die USA ist eine längere Phase der Stagflation noch das optimistischste Szenario.

George Soros ist Chairman von Soros Fund Management. Gerade ist sein Buch "Reflections on the Crash of 2008" erschienen.www.project-syndicate.org

Die Zukunft der Weltwirtschaft hängt in hohem Maße davon ab, ob Präsident Barack Obama ein schlüssiges und wirksames Maßnahmenpaket auf den Weg bringt. Wie die Chinesen, Europäer und andere wichtige Akteure reagieren, wird ebenso wichtig sein. Bei guter internationaler Zusammenarbeit könnte die Weltwirtschaft Ende 2009 anfangen, aus einem tiefen Loch hervorzuklettern. Andernfalls steht uns jedoch eine wesentlich längere Zeit des Chaos und Niedergangs bevor.

Es ist nicht möglich, das wirtschaftliche Gleichgewicht auf einen Schlag wiederherzustellen. Stattdessen muss die Wirtschaft erst mit Geld vollgepumpt werden; dann, wenn Kredite langsam wieder fließen, muss diese Liquidität fast ebenso schnell wieder aus dem System abgezapft werden. Die zweite Operation wird sowohl politisch als auch technisch schwieriger als die erste.

Der Versuch, die US-Wirtschaft mit Geld vollzupumpen, wird an zwei Fronten in Schwierigkeiten geraten: beim Wechselkurs und beim Zins. Der Dollar hat sich zuletzt stark erholt, aber der Grund für diese Stärke war nicht ein gestiegenes Verlangen, Dollar zu besitzen. Es war die wachsende Schwierigkeit, welche zu leihen. Europäische und andere internationale Banken hatten viele auf Dollar lautende Vermögenswerte erworben, die sie routinemäßig im Interbankenhandel refinanzierten. Als dieser Markt austrocknete, waren sie gezwungen, Dollar zu kaufen.

Multimilliardär und Spekulant George Soros   Multimilliardär und Spekulant George Soros

Zugleich mussten Länder der Peripherie viele auf Dollar lautende Anleihen zurückzahlen, als sie diese nicht weiter umschulden konnten. Russland und die osteuropäischen Staaten an der Euro-Peripherie waren zwar viel stärker an den Euro gebunden; doch als der russische Markt zusammenbrach, war der Effekt auf den Dollar derselbe. Denn die russische Zentralbank hatte zu viele Euro gekauft und musste sie verkaufen, um den Rubel zu verteidigen.

Die Tatsache, dass Deutschland und die EZB das Problem der globalen Wirtschaft ganz anders sehen als der Rest der Welt, wird künftig wahrscheinlich große Schwankungen bei den Wechselkursen hervorrufen und die Erholung behindern.

Die EZB ist laut Gesetz verpflichtet, sich nur um die Aufrechterhaltung der Preisstabilität zu kümmern, nicht um Vollbeschäftigung. In Deutschland lebt immer noch die Erinnerung an die galoppierende Inflation der Weimarer Republik fort. Beides führt zu Widerstand gegen fiskalische Verantwortungslosigkeit und das unbegrenzte Drucken von Geld.

Teil 2: Worin der Der Ausweg aus einer Deflationsfalle besteht

  • Aus der FTD vom 06.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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