FTD.de » Meinung » Kommentare » Graham Horton - Von U-Booten und Stinktieren
  FTD-Serie: Kommentare

Wie bewerten Wissenschaftler und Fachleute die Ideen der "kreativen Zerstörer"? Kommentare und Debatten von und mit Spezialisten der Business-Schulen, die die nächste Generation Entrepreneure heranbilden. Sie wollen mehr wissen? Schicken Sie uns Ihre Frage an: zerstoerer@ftd.de

Merken   Drucken   12.01.2009, 11:51 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Graham Horton - Von U-Booten und Stinktieren  

Wenn Unternehmen sich mehr Innovationen aus den eigenen Reihen wünschen, müssen sie sich selbst überlisten. Zu starr sind ihre Regeln und Hierarchien.
Graham Horton ist Dekan der Fakultät für Informatik an der Uni Magdeburg und Gesellschafter des Innovationsstrategie-Dienstleisters Zephram.
Es war eine Undercover-Operation: 1993 entschied sich Apple , eine Abteilung zu schließen und die Mitarbeiter zu entlassen. Ein Schock für Ron Avitzur. Mit einem Mal sollte der Programmierer aufhören, an seinem Projekt zu arbeiten. Das durfte doch nicht wahr sein! Zu sehr lag ihm die Software am Herzen. Auch wenn das Gehalt nicht mehr floss - er ging jeden Tag weiter in sein Büro; das Unternehmen hatte versäumt, seinen Werksausweis einzuziehen. Vor seinen Vorgesetzten und der Werkssicherheit hielt er sich gut versteckt. Fortschritte bei der Programmierung zeigte er nur Ingenieurkollegen, die ihn mit allen Mitteln - wenn auch heimlich - unterstützten. Erst als das Programm fast fertig war, kam Avitzur aus der Deckung und führte es einigen Managern vor. Sie waren begeistert - es wurde zum Standardbestandteil des neuen Macintosh-Rechners. Offiziell wurde die Software nie entwickelt, und doch lieferte Apple das Programm mehr als 20 Millionen Mal aus.
Es gibt viele dokumentierte Beispiele von innovativen Ideen einzelner Mitarbeiter, deren Potenzial von ihrem Arbeitgeber nicht erkannt wurde. In manchen Fällen führt dies zu U-Boot-Projekten wie bei Ron Avitzur. Im günstigsten Fall gewinnt das Projekt irgendwann wieder einen offiziellen Status, und das Unternehmen kann von ihm profitieren. Im ungünstigsten Fall kündigen die Erfinder und gründen mit ihrer Idee ein Konkurrenzunternehmen.
Eine Ironie bei Startups besteht darin, dass der Erfolg genau die Fähigkeiten vernichtet, die ihn überhaupt erst ermöglicht haben. Denn um mit wachsender Größe und Komplexität zurechtzukommen, müssen Unternehmen Strukturen schaffen und Regeln aufstellen, die ihre Innovationsfähigkeit stark hemmen können. Diese Hemmnisse werden gelegentlich "Kerninflexibilitäten" genannt. Dazu gehören Bürokratie, Controlling-Mechanismen, Meeting-Kultur und Qualitätsmanagement, aber auch Umsatz- und Renditevorgaben.
In diesem Sinne hat es ein Gründer leichter als ein Innovationsmanager, denn er muss solche Hemmnisse nicht überwinden, sondern kann schnell und unbürokratisch auf neue Ideen und Entwicklungen reagieren.
Eine Möglichkeit für Unternehmen, trotzdem eine innovationsfreundliche Umgebung zu schaffen, sind so genannte Skunkworks ("Stinktierwerke"). Es handelt sich um eine Organisationseinheit, die räumlich, kulturell und organisatorisch weit weg vom Kern des Unternehmens aufgebaut wird. Das bekannteste Beispiel dafür liefert die Firma Lockheed.
  • FTD.de, 12.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  24.06.2009 Pressestimmen "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"  
Pressestimmen: "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"

Der Tod dreier Soldaten im Kundus gibt Anlass zu neuen Diskussionen über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Verteidigungsmininister Jung will nicht von Krieg sprechen. Die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen fordern klare Stellungnahmen der Politik. mehr

 



Die FTD-Personendatenbank
 


  09.02. 62. Berlinale ist eröffnet
Kultur: 62. Berlinale ist eröffnet (00:02:11)

Bei einer Star-gespickten Gala gaben Festival-Direktor Dieter Kosslick und Jury-Präsident Mike Leigh den Startschuss für das zehntägige Filmfest. mehr

Mehr zu: BERLINALE

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote