Graham Horton ist Dekan der Fakultät für Informatik an der Uni Magdeburg und Gesellschafter des Innovationsstrategie-Dienstleisters Zephram.
Es war eine Undercover-Operation: 1993 entschied sich
Apple , eine Abteilung zu schließen und die Mitarbeiter zu entlassen. Ein Schock für Ron Avitzur. Mit einem Mal sollte der Programmierer aufhören, an seinem Projekt zu arbeiten. Das durfte doch nicht wahr sein! Zu sehr lag ihm die Software am Herzen. Auch wenn das Gehalt nicht mehr floss - er ging jeden Tag weiter in sein Büro; das Unternehmen hatte versäumt, seinen Werksausweis einzuziehen. Vor seinen Vorgesetzten und der Werkssicherheit hielt er sich gut versteckt. Fortschritte bei der Programmierung zeigte er nur Ingenieurkollegen, die ihn mit allen Mitteln - wenn auch heimlich - unterstützten. Erst als das Programm fast fertig war, kam Avitzur aus der Deckung und führte es einigen Managern vor. Sie waren begeistert - es wurde zum Standardbestandteil des neuen Macintosh-Rechners. Offiziell wurde die Software nie entwickelt, und doch lieferte Apple das Programm mehr als 20 Millionen Mal aus.
Es gibt viele dokumentierte Beispiele von innovativen Ideen einzelner Mitarbeiter, deren Potenzial von ihrem Arbeitgeber nicht erkannt wurde. In manchen Fällen führt dies zu U-Boot-Projekten wie bei Ron Avitzur. Im günstigsten Fall gewinnt das Projekt irgendwann wieder einen offiziellen Status, und das Unternehmen kann von ihm profitieren. Im ungünstigsten Fall kündigen die Erfinder und gründen mit ihrer Idee ein Konkurrenzunternehmen.
Eine Ironie bei Startups besteht darin, dass der Erfolg genau die Fähigkeiten vernichtet, die ihn überhaupt erst ermöglicht haben. Denn um mit wachsender Größe und Komplexität zurechtzukommen, müssen Unternehmen Strukturen schaffen und Regeln aufstellen, die ihre Innovationsfähigkeit stark hemmen können. Diese Hemmnisse werden gelegentlich "Kerninflexibilitäten" genannt. Dazu gehören Bürokratie, Controlling-Mechanismen, Meeting-Kultur und Qualitätsmanagement, aber auch Umsatz- und Renditevorgaben.
In diesem Sinne hat es ein Gründer leichter als ein Innovationsmanager, denn er muss solche Hemmnisse nicht überwinden, sondern kann schnell und unbürokratisch auf neue Ideen und Entwicklungen reagieren.
Eine Möglichkeit für Unternehmen, trotzdem eine innovationsfreundliche Umgebung zu schaffen, sind so genannte Skunkworks ("Stinktierwerke"). Es handelt sich um eine Organisationseinheit, die räumlich, kulturell und organisatorisch weit weg vom Kern des Unternehmens aufgebaut wird. Das bekannteste Beispiel dafür liefert die Firma Lockheed.