Heiner Flassbeck ist Chefvolkswirt der Unctad in Genf.
Wer es bisher noch nicht geglaubt hat, den hat der Ifo-Index in der letzten Woche eines Besseren belehrt: Der deutsche Aufschwung ist vorbei. Das scheint aber kaum jemanden, schon gar nicht die deutschen Politiker zu beunruhigen. Sie gehen in die Sommerpause nach dem Motto: Ein Aufschwung ist vorbei, der nächste wird schon bald kommen. So ist das eben, Aufschwünge kommen und gehen. Politiker können daran nichts ändern und sollten es auch gar nicht versuchen.
Diese Sicht der Dinge wird sich als gewaltiger Irrtum erweisen. Ein Aufschwung der Weltwirtschaft wird zwar kommen, dass Deutschland bald daran teilhaben wird, ist aber mehr als unwahrscheinlich. In Deutschland wird immer noch nicht verstanden, wie einzigartig der letzte Aufschwung war, weil er fast ausschließlich von einem unglaublichen Schub der Auslandsnachfrage getragen war. Dass sich die Inlandsnachfrage erholt, war schon 2008 ein frommer Wunsch und wird es auch 2009 bleiben.
Aufschwung ist nur ein anderes Wort dafür, dass jemand mehr ausgibt als zuvor. Nur dann kann die Wirtschaft wachsen. Dieser Jemand war zwischen 2000 und 2007 eindeutig das Ausland. Die Ausgaben des Auslands für deutsche Güter sind seitdem wesentlich schneller gestiegen als die deutschen Ausgaben für ausländische Güter. Lag der Saldo dieser Ausgaben (der deutsche Leistungsbilanzsaldo) in den Jahren 2000 und 2001 noch bei minus 17 Mrd. Euro, so stieg er 2002/03 auf plus 41 Mrd. Euro. 2004/05 erreichte er schon 110 Mrd. Euro und 2006/07 mehr als 160 Mrd. Euro. Das ist, im Zweijahresrhythmus, eine Zunahme von jeweils über 50 Mrd. Euro.