Hermann Simon ist Geschäftsführer der Simon Kucher & Partner Strategy & Marketing Consultants.
Eines der großen Probleme in Deutschland besteht darin, Innovationen durchzusetzen. Man sollte sich klarmachen, dass massiver Widerstand gegen Neuerungen der Normalfall und nicht die Ausnahme ist. Man kann die Geschichte der Menschheit sogar als Geschichte des Widerstands gegen Innovationen interpretieren, als Aufstand der Veränderer gegen die Bewahrer, der kognitiv "Jungen" gegen die "Alten". Durch die Geschichte zieht sich ein roter Faden von Platon, der die Einführung der Kulturtechnik Schrift ablehnte, über die Computerspezialisten, die in den 70er-Jahren den Personal Computer für eine absurde Idee hielten, bis zu den Entrepreneuren, die heute ganze Märkte umkrempeln. In Deutschland sind Unternehmen wie DocMorris oder Air Berlin gute Beispiele dafür. Doch auch künftig werden Innovatoren und Veränderer scheitern, die das Beharrungsvermögen der Gesellschaft unterschätzen. Um erfolgreich zu sein, müssen sie die Widerstände realistisch interpretieren. Nur dann können sie eine Strategie zu deren Überwindung entwickeln.
Widerstand zu überwinden ist schwierig, weil es immer auch um Macht und Emotionen geht. Nicht alle profitieren von Veränderungen, die negativ Betroffenen werden der Innovation deshalb erheblichen Widerstand entgegensetzen. Wenn der Innovator nicht über die Macht verfügt, diesen zu überwinden, wird er scheitern. Oft wird dieses Problem dadurch verstärkt, dass die Machtpositionen in den Händen der Älteren sind.
Die Verhinderer von Innovation und Veränderung sind zudem klar in der Mehrheit. Nach Zahlen des Innovationsberaters Rolf Berth, der Hunderte Führungskräfte befragt hat, stehen jedem entschlossenen Veränderer etwa fünf genauso verbissene Bewahrer gegenüber. Folglich werden sich die Innovatoren nur durchsetzen, wenn sie mit ihren Argumenten den Konzepten der Bewahrer überlegen sind und auch die Macht besitzen, der besseren Idee zu Geltung und Akzeptanz zu verhelfen.