Peter Wolff leitet die Abteilung Weltwirtschaft und Entwicklungsfinanzierung am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn.
Das Buch "Dead Aid" der Sambierin Dambisa Moyo, eine polemische Antithese zum ‚Live Aid‘-Projekt für Afrika der Popstars Bono und Bob Geldof, hat vor allem wegen seiner Fundamentalkritik an der Entwicklungshilfe Aufsehen erregt. Diskutiert wurden allerdings vor allem altbekannte Argumente gegen die Unterstützung schlechter Regierungen in Afrika. Die Alternativen, welche sie anstelle klassischer Entwicklungshilfe empfiehlt, wurden kaum analysiert.
Moyo macht den (auch nicht eben originellen) Vorschlag, die afrikanischen Länder sollten ihre Entwicklung verstärkt dadurch finanzieren, dass sie Steuereinnahmen erhöhen und die nationalen und internationalen Kapitalmärkte nutzen - also den Weg gehen, den viele Schwellenländer bereits gegangen sind.
Die Bedingungen für diese Strategie haben sich mit der Finanzkrise und der weltweiten Rezession allerdings zusätzlich verschlechtert. Afrika ist durch die Rezession massiv betroffen. Das Wachstum wird sich 2009 mindestens halbieren und die fiskalischen Spielräume einengen. Investitionen lassen sich schwerer finanzieren, und die Armut wird zwangsläufig zunehmen.
Es gibt also gute Gründe, die Entwicklungshilfe gerade jetzt nicht zurückzufahren. Die Uno-Konferenz Ende Juni zu den Auswirkungen der Finanzkrise auf die Entwicklungsländer hat deshalb auch bekräftigt, dass vor allem die ärmsten Entwicklungsländer zusätzliche öffentliche Mittel brauchen. Das nie erreichte und angesichts der katastrophalen Haushaltslage der OECD-Länder kaum erreichbare 0,7-Prozent-Ziel wurde wieder einmal in eine Abschlusserklärung aufgenommen.
Gerade unter dem Eindruck der Krise gibt es in Afrika jedoch auch Initiativen, die genau das anstreben, was Dambisa Moyo vorschlägt: Eigene Finanzsysteme sollen aufgebaut und das unterentwickelte Bank- und Versicherungswesen gestärkt werden.