Fortsetzung von "Peanuts"Auch wenn dieses Zeichen als ungeschickt kritisiert wurde, es passt in das Markenbild der Deutschen Bank. Es steht für das Selbstbewusstsein des Vorstandschefs und damit für das Selbstbewusstsein der Marke. Das Zeichen ist die Fortsetzung des Wortes "Peanuts", das dem Vorvorgänger von Ackermann, Hilmar Kopper, während des Bauskandals um den Unternehmer Schneider bei einer Pressekonferenz im Jahr 1994 herausgerutscht ist und damit zum Unwort des Jahres wurde. Auch hier war die Kritik überschäumend und die Häme in den Medien groß. Doch auch dies ist nur ein Glied, ein Baustein im kontinuierlich gewachsenen Markenbild der Deutschen Bank.
Da Marken erst durch kontinuierliche Kommunikation ihre Identitäten erhalten, heißt dies für die Deutsche Bank, dass die Marke bewusst sogar die selbstbewusste und damit auch polarisierende Kommunikation pflegt. Was nicht bedeuten soll, dass Victoryzeichen und Peanuts-Worte strategisch eingesetzt wurden. Doch diese Ausrutscher werden mit größter Wahrscheinlichkeit intern in Kauf genommen. Und diese Äußerungen kommen ja nicht aus dem Nichts, sondern sind das verbalisierte Resultat eines internen, schon länger bestehenden Denkens im Management des Unternehmens.
Banken stehen unter kritischen Dauerfeuer
Sicherlich gibt es andere Banken, die ein anderes Markenbild pflegen. Doch auch wenn die Marke Deutsche Bank polarisiert, das Spiel Bad Guy gegen Good Guy funktioniert nicht. Dies hat mit dem Ansehen der Banken in Deutschland zu tun. Es fällt den Deutschen sehr schwer, eine starke emotionale, menschliche Beziehung zu einem Geldinstitut aufzubauen. Geld weckt höchstens die Emotion Neid, ansonsten wird das Thema von den Kunden äußerst rational betrachtet. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren zahlreiche Banken einen - selbst motivierten, durch Übernahmen bedingten oder durch Skandale erzwungenen - Veränderungsprozess durchmachen und damit insgesamt an Sympathie verloren haben.
Banken stehen somit sowieso unter einem kritischen Dauerfeuer, nicht zuletzt durch abwertende Äußerungen aus der Politik. Eine andere Positionierung zu den großen Geschäftsbanken ist nur den Sparkassen sowie den Volksbanken vorbehalten, die durch eine starke regionale Verwurzelung, hohe Filialdichte und durch die öffentlich-rechtliche oder genossenschaftliche Trägerschaft eine etwas "menschlichere" und damit sympathischere Marke vertreten. Doch die Deutsche Bank ist durch ihre Entwicklung als Marke fest positioniert und damit auch festgelegt.
Sicher ist: Wer bei der Deutschen Bank ganz nach oben kommt, ist bereits Teil der Marke und der Werte, die sie ausmachen. Die Marke bestimmt ihre Manager. Was also birgt der Mannesmann-Prozess an Gefahren für die Marke? Keine großen - denn egal wie der Prozess ausgeht, einen Rücktritt Ackermanns wird es wahrscheinlich nicht geben. Sollte Josef Ackermann den Prozess verlieren, geht er in die Revision. Bis diese entschieden ist, gibt es längst einen Nachfolger. Und eine grundlegende Marken-Erkenntnis wird wieder bestätigt: Die Marke überlebt immer ihre Manager!
Nicholas Adjouri ist Geschäftsführer der Adjouri Brand Consultants GmbH in Berlin.