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Merken   Drucken   13.07.2009, 13:17 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Iran, das gespaltene Land  

Nach den Wahlen driftet die iranische Gesellschaft immer weiter auseinander. Die Risse verlaufen nicht nur zwischen den politischen Eliten, sondern auch durch ganz normale Familien. von Mehran Karami
Mehran Karami ist Chefredakteur der iranischen Zeitung "Etemad-e Melli", die vom Oppositionskandidaten Mehdi Karubi herausgegeben wird.
Neulich berichtete ein Kollege von einer Familie, in der die Eltern und einer ihrer Söhne bei der Präsidentschaftswahl für Mirhossein Mussawi gestimmt hatten - die zwei anderen Söhne hingegen für Mahmud Ahmadinedschad. Am Abend des 20. Juni, als die Proteste gegen das angekündigte Wahlergebnis besonders heftig waren, sei der eine Sohn mit einer gebrochenen Hand nach Hause gekommen. Seine Brüder hatten Schlagstöcke dabei, mit denen sie vermutlich anderen Hände und Beine gebrochen hatten.
Dies ist nur ein Beispiel, das ein Bild der iranischen Gesellschaft vermittelt. Ein weiteres ist der Fall des Musikers Mohammad Resa Schadscharian, der der klassischen Musik des Iran weltweit zur Berühmtheit verholfen hat. Er gilt als der populärste Sänger des Landes und ist in religiösen Kreisen ebenso beliebt wie unter Säkularen, bei Revolutionären ebenso wie bei Gemäßigten. Nach den Wahlen schickte Schadscharian ein Schreiben an den Intendanten des staatlichen iranischen Fernsehens, in dem er gegen die einseitige Parteinahme für Ahmadinedschad und gegen die Bezeichnung der Demonstranten als "Unkraut" protestierte. Er untersagte dem Fernsehen, in Zukunft seine Musik zu senden, insbesondere das Lied "Iran, Land der Hoffnung", das an die Revolution von 1979 erinnert.
Der Betreiber einer der Websites, die Ahmadinedschad unterstützen, kommentierte: "Ich möchte den mutigen Intendanten inständig bitten, dass Schadscharians Gesicht und Stimme (so, wie er es selbst gewünscht hat) fortan aus dem Fernsehen verschwinden, so lange, bis dieser opportunistische Musiker begreift und erkennt, dass sich die meisten seiner Zuhörer unter den 24 Millionen befinden, die Ahmadinedschad gewählt haben. Die anderen, die ihre Schleifen in der Farbe des Propheten (Grün) an den Schwanz der Hunde gebunden haben, sind verrückt nach der Musik von Sassi Mankan (einem modernen iranischen Popmusiker im Untergrund), nicht nach der von Schadscharian."

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