Jan Muehlfeit ist Chairman von Microsoft Europe.
Die Weltwirtschaft steht am Scheideweg. Exporte und Investitionen befinden sich im freien Fall, Unternehmen drosseln die Produktion und wandern in vielen Fällen in Schwellenländer ab. Praktisch alle EU-Mitgliedsstaaten, Deutschland eingeschlossen, müssen 2009 mit einem dramatischen Abschwung rechnen. Die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone wird voraussichtlich auf 8,2 Prozent steigen.
Der einzige Weg aus der derzeitigen Krise besteht darin, weiter gemeinsam zu handeln. Herzstück der europäischen Reaktion muss die Investition in unsere Zukunft sein - also in Innovationen. Auf keinen Fall dürfen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) gesenkt werden. So verlockend es für Regierungen sein mag, in Zeiten finanzieller Entbehrungen die öffentlichen Gelder für Forschung zu drosseln: Ein solcher Schritt wäre ein fataler Fehler. Investitionen in Innovation sind der einzige Weg, Europa als weltweit führend und wettbewerbsfähig zu positionieren, wenn sich die Wirtschaft wieder erholt.
Europa kann einige der weltweit besten Forschungseinrichtungen und Wissenschaftler vorweisen, doch wir müssen unsere Investitionen weiter aufstocken. 2008 stiegen in der EU die F&E-Ausgaben der Unternehmen um 8,08 Prozent. Im Europäischen Innovationsanzeiger 2008 rangiert Deutschland unter den Spitzenreitern. Momentan tragen Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) hierzulande rund 40 Prozent zum gesamten Wirtschaftswachstum bei. Mit einem Jahresumsatz von ungefähr 140 Mrd. Euro ist IKT eine expandierende Branche, die in Deutschland die klassischen Sektoren Auto- und Maschinenbau überrundet hat. Mehr als 800.000 Menschen arbeiten in IKT-Berufen, und weitere 650.000 IKT-Experten sind in anderen Sektoren beschäftigt.
Doch die Investitionen europäischer Unternehmen in Innovation sind immer noch relativ gering, vor allem im Vergleich zu den USA, Japan und China. Das 200 Mrd. Euro schwere Konjunkturprogramm, das die Europäische Kommission im Dezember vorgeschlagen hat, ist ein wichtiger kurzfristiger Schub, um den Volkswirtschaften Europas zu helfen.
Doch medienwirksamen Worten müssen Taten folgen. Im Rahmen dieses Konjunkturprogramms hat die Europäische Kommission 1 Mrd. Euro für die Breitbandentwicklung vorgesehen. Tatsächlich wird davon ausgegangen, dass Breitbandverbindungen eine Million Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft der EU bis 2015 um 850 Mrd. Euro wachsen lassen. Auch wenn diese Investition auf den ersten Blick beeindruckend erscheint, so ist sie im Vergleich zu den 5 Mrd. Euro enttäuschend, die in den USA für das gleiche Vorhaben vorgesehen sind.