Joseph Stiglitz ist Nobelpreisträger für Ökonomie und Professor an der Columbia University.www.project-syndicate.org
Dieses Jahr dürfte für die Weltwirtschaft das schlimmste seit 1945 werden. Laut Schätzungen der Weltbank wird die globale Wirtschaftsleistung um bis zu zwei Prozent schrumpfen. Selbst Entwicklungsländer, die alles richtig gemacht und eine deutlich bessere makroökonomische und aufsichtsrechtliche Politik verfolgt haben als die USA, bekommen die Folgen zu spüren. Chinas Wirtschaft etwa dürfte zwar weiterwachsen, dies aber - vor allem wegen des Exporteinbruchs - mit deutlich geringeren Raten als den elf bis zwölf Prozent der vergangenen Jahre. Wird nichts getan, dann wird die Krise bis zu 200 Millionen Menschen zusätzlich in Armut stürzen.
Diese globale Krise verlangt nach einer globalen Reaktion. Leider jedoch liegen die Zuständigkeiten weiter auf der nationalen Ebene. Darum wird jedes Land versuchen, sein Konjunkturpaket so zu konzipieren, dass die eigenen Bürger möglichst stark profitieren - und nicht die Welt als Ganzes.
Bei der Konzeption ihrer Konjunkturpakete werden die Länder die Kosten für ihre Haushalte gegen den Nutzen abwägen, der sich für das Wachstum und die Beschäftigung in ihren eigenen Volkswirtschaften ergibt. Da ein Teil dieses Nutzens (im Fall kleiner, offener Volkswirtschaften ein erheblicher Teil) auf andere entfällt, dürften die Konjunkturpakete kleiner ausfallen und schlechter konzipiert sein, als es unter anderen Umständen der Fall wäre. Und darum brauchen wir ein global koordiniertes Paket.
Dies ist eine von mehreren wichtigen Botschaften einer Uno-Expertenkommission, deren Vorsitz ich innehabe und die kürzlich ihren Zwischenbericht vorgelegt hat. Der Bericht unterstützt viele der Initiativen der G20-Staaten, verlangt aber stärkere Maßnahmen, die auf die Entwicklungsländer ausgerichtet sind. Es wird zwar weithin akzeptiert, dass fast alle Länder die Konjunktur ankurbeln müssen (wir sind jetzt schließlich alle Keynesianer), aber vielen Entwicklungsländern fehlen dafür schlicht die Ressourcen. Gleiches gilt für die internationalen Finanzierungsinstitutionen.
Das IWF-Stigma beseitigen
Wollen wir nicht in der nächsten Schuldenkrise enden, muss ein Teil - vielleicht sogar ein Großteil - dieses Geldes in Form von Zuschüssen fließen. Zudem waren Hilfen in der Vergangenheit oft an umfassende Bedingungen gekoppelt, von denen einige den betreffenden Ländern harte geld- und fiskalpolitische Strategien aufzwangen und ihnen eine finanzielle Deregulierung auferlegten, die eine der Ursachen der Krise war.
Aus offenkundigen Gründen ist in vielen Teilen der Welt ein starkes Stigma damit verknüpft, sich an den Internationalen Währungsfonds zu wenden. Und nicht nur die Kreditnehmer, sondern auch die potenziellen Geldgeber sind unzufrieden. Die Liquidität kommt heute aus Asien und dem Nahen Osten. Doch warum sollten diese Länder Geld zu Organisationen beisteuern, in denen ihre Stimme nur begrenzt Gewicht hat und die oft eine Politik durchzudrücken versuchen, die ihren Wertvorstellungen und Ansichten diametral zuwiderläuft?