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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   22.09.2008, 10:19 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Kenneth Rogoff - Das wird teuer  

Washington wird kaum darum herum kommen, das Finanzsystem zu retten. Das allerdings könnte dei Steuerzahler bis zu 2000 Mrd. Dollar kosten. Die Schulden werden Währung und Wachstum gefährden.
Kenneth Rogoff lehrt an der Universität Harvard. Er war früher Chefökonom des Internationalen Währungsfonds.
Eine der außergewöhnlichsten Entwicklungen der vergangenen Monate ist, wie immun sich der Dollar bisher gegen eine Finanzkrise von Jahrhundertausmaß gezeigt hat. Wären die USA ein Schwellenland, die Währung würde abstürzen und der Zins für Staatsanleihen abheben. Das Gegenteil ist aber der Fall: Der Dollar hat sich sogar bescheiden erholt, während die Zinsen auf dem niedrigsten Stand seit 64 Jahren sind. Es wirkt fast so, als liebte die Welt Amerika umso mehr, je größer das Chaos dort ist.
Kann dieses außergewöhnliche Vertrauen Bestand haben? Vielleicht. Aber in einer Lage, da Investoren sich aus dem Finanzsektor zurückziehen und auf die tiefen Wunden dieser amerikanischen Flaggschiffbranche blicken, in einer Lage, da der private und der öffentliche Sektor massiv Kapital aufnehmen müssen und über allem die Unsicherheit der Präsidentenwahl liegt, fällt es schwer zu glauben, dass sich der Dollar weiter behauptet, während sich die Krise ausbreitet.
Das dicke Ende kommt noch
Natürlich hat die US-Regierung sehr tiefe Taschen. Die Verschuldung beim privaten Sektor lag Ende 2007 bei unter 4400 Mrd. $, also weniger als 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist nur rund die Hälfte der Schuldenlast, die die meisten europäischen Länder tragen, und in Relation zum staatlichen Schuldenstand Japans ist die Last noch viel geringer. Bis zu dem zuletzt angekündigten Rettungspaket hatte sich der Nettoschuldenstand wohl auch höchstens um 200 bis 300 Mrd. $ erhöht.
Diese Summe ergab sich aus den wahrscheinlichen Verlusten aus der Verstaatlichung der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, den 29-Mrd.-$-Garantien für den Notverkauf der Investmentbank Bear Stearns, den potenziellen Abschreibungen auf die toxischen Papiere, die die Fed zuletzt in ihre Bücher nahm, und schließlich aus der 85 Mrd. $ schweren Rettungsaktion für den Versicherer AIG.
Hätte die Finanzkrise damit geendet, der Schaden wäre schmerzlich, aber verkraftbar - vergleichbar mit den Kosten für ein weiteres Jahr im Irak. Unglücklicherweise ist die Krise aber noch längst nicht vorüber, und es ist schwer vorstellbar, wie die Regierung einen Schutzwall gegen eine weitere Ausbreitung errichten kann, ohne dafür fünf- bis zehnmal so viel auszugeben wie bisher. Das wären dann etwa 1000 bis 2000 Mrd. $.
Richtig ist, dass das Finanzministerium und die Notenbank zuletzt bewundernswerte Arbeit geleistet und den Privatsektor gezwungen haben, ebenfalls einen Teil der Last zu tragen. Indem sie am vorvergangenen Wochenende die Investmentbank Lehman Brothers in den Konkurs und deren Konkurrenten Merrill Lynch in einen Notverkauf an die die Bank of America zwangen, verhalfen sie dem Finanzsektor zur dringend nötigen Konsolidierung.
  • Aus der FTD vom 22.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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