Frank Dornseifer ist Leiter Recht und Policy des Bundesverbands Alternative Investments.
Die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise stellt die Hedge-Fonds-Branche vor ihre bisher größte Herausforderung. In einem Marktumfeld, in dem auch das Absolute-Return-Konzept seine Grenzen erfährt und Investoren Liquidität zum Teil um jeden Preis suchen, hat sich das verwaltete Anlagevermögen deutlich verringert. Der Branche wird eine dramatische Marktbereinigung vorausgesagt.
Zugleich wird auf Hedge-Fonds - obwohl nicht Verursacher der Krise - der Regulierungsdruck erhöht. Die USA sind in der vergangenen Woche bereits vorgeprescht, auf internationaler Ebene wollen die G20-Staaten auf ihrem Gipfel am Donnerstag Regulierungsvorschläge verabschieden. Und die EU-Kommission hat für Mitte April bereits einen Richtlinienentwurf für alternative Anlagevehikel angekündigt. Ob gerade hier der Schlüssel für den Ausweg aus der Krise liegt, darf jedoch bezweifelt werden. Neue Regulierungsansätze werden zudem nur dann erfolgreich sein, wenn - gerade nach dem Betrugsfall Madoff - auch Politik und Aufseher selbstkritisch reflektieren, wie sie ihre Aufgaben in Zukunft besser und effizienter erfüllen können.
Der Wortlaut der G20-Abschlusserklärung des Washingtoner Weltfinanzgipfels vom November ist unmissverständlich. Verlangt wird "eine Regulierung bzw. Beaufsichtigung aller Finanzmärkte, Produkte und Teilnehmer". Diese Vorgaben werden von der Politik gern als Mandat zur Regulierung der vermeintlich unregulierten Hedge-Fonds interpretiert. Dabei gibt es in vielen Ländern und insbesondere in Europa bereits eine gesetzliche Regulierung von Hedge-Fonds beziehungsweise deren Managern. Dies gilt auch für die USA, wo ein Teil der Manager aber von Ausnahmeregelungen profitiert.
Neben diesen gesetzlichen Vorgaben gibt es Branchenstandards, die den aufsichtsrechtlichen Rahmen komplettieren. Die Arbeiten vor dem Londoner G20-Gipfel sollten vor allem als Chance zur Versachlichung der Debatte über Hedge-Fonds beziehungsweise innovative Anlagestrategien verstanden werden.
Sachliche Debatte unerwünscht
Dazu taugen die bisher vorgestellten Pläne jedoch nur bedingt, und es entsteht der Verdacht, dass eine Versachlichung der Debatte nicht gewünscht ist - auch wenn das internationale Aufsichtsgremium Iosco gerade erst ausdrücklich festgestellt hat, dass die Finanzkrise nicht von Hedge-Fonds verursacht wurde. Und in einer Fußnote wird bestätigt, dass diese Investoren im "strengen Sinne" keineswegs unreguliert sind.
Ausgangspunkt der Konsultationen unter den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern hätten Fragen von grundsätzlicher Bedeutung sein müssen: Müssen gezielt einzelne Marktteilnehmer reguliert werden, oder geht es um die Regulierung von Strategien und Verhaltensweisen? Bedarf es neuer Standards, oder geht es um die Harmonisierung bestehender Regeln? Und reicht unter Umständen nicht schon die Verbesserung der Aufsicht? Diese Punkte wurden bislang nicht angesprochen.