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  FTD-Serie: Systemfrage

Der von allen Fesseln befreite Markt hat sich ausgetobt - und Trümmer hinterlassen. Als Aufräumkommando greift der Staat ein. Aber wie geht es danach weiter? Zieht sich der Staat zurück, oder übernimmt er die Vormundschaft über den Markt? Und welche Folgen hat das? Die FTD stellt die Systemfrage.

Merken   Drucken   17.03.2009, 11:56 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Lasst Marx in der Schublade  

In der Krise steht die soziale Marktwirtschaft vor einer historischen Bewährungsprobe. Wir müssen beweisen, dass dieses System den Ausgleich zwischen unternehmerischem Eigensinn und Gemeinwohl am besten sicherstellt. von Jürgen Großmann
Jürgen Großmann ist Vorsitzender des Vorstands der RWE AG.
Die Wirtschaftskrise kennt auch Gewinner, zum Beispiel den Karl Dietz Verlag. Das Berliner Unternehmen verlegt "Das Kapital" von Karl Marx, Absatz steigend. Systemkritik hat Konjunktur. Die größte Krise seit Jahrzehnten hat einen massiven Stimmungswandel befördert. Eine neue Staatsgläubigkeit greift um sich. Planwirtschaftler, Protektionisten und Fortschrittsskeptiker wittern Morgenluft: Die Marktwirtschaft steht zur Debatte.
Keine Frage: Das Pendel der Marktwirtschaft hat einseitig ausgeschlagen. Daher muss künftig besser gesteuert werden. In ihrer deutschen Ausprägung hat die soziale Marktwirtschaft diesem Land die besten Jahrzehnte seiner Geschichte beschert. Deshalb dürfen wir diese Grundsätze nicht leichtfertig über Bord werfen.
Die soziale Marktwirtschaft ist nicht nur ein Regelwerk, sondern eine Geisteshaltung, die in einem christlich-humanistischen Menschenbild wurzelt. Wir brauchen eine Besinnung auf Werte des Miteinanders, die das Land stark gemacht haben. Wir brauchen kreative, mutige und verantwortungsvolle Unternehmer, wir brauchen eine Politik, die unternehmerische Dynamik fördert. Und wir brauchen Gewerkschaften, die in einer konstruktiven Mitbestimmung als Sozial- und Fortschrittspartner wirken. Allerdings ist jetzt nicht die Zeit für überzogene Lohnforderungen. Statt zu überlegen, wie der Kuchen besser verteilt werden kann, muss unser Augenmerk vorrangig der Frage gelten, wie neues Wachstum geschaffen werden kann.

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  • FTD.de, 17.03.2009
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