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Merken   Drucken   18.06.2009, 12:23 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Lob für die Schuldenmacher  

Die Staatsdefizite vieler Industrienationen sind derzeit viel zu hoch und auf Dauer untragbar. Dennoch sind sie notwendig, um die Wirtschaft zurück auf den Wachstumspfad zu bringen. von Paul de Grauwe
Paul de Grauwe ist Wirtschaftsprofessor an der Universität Leuven.
Kein Zweifel, die aktuellen Staatsschulden und -defizite sind nicht tragbar. Die USA, Großbritannien und andere Industrienationen weisen inzwischen Haushaltsdefizite von mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf. Bei derlei Fehlbeträgen schnellen die Staatsschulden explosionsartig in die Höhe. Aus einfachen Hochrechnungen für die Zukunft lässt sich schließen, dass diese Schulden und Defizite auf Dauer nicht finanzierbar sind und dass sie rückgängig gemacht werden müssen, damit es nicht zur Zahlungsunfähigkeit kommt.
Doch obwohl Staatsschulden und -defizite nicht hingenommen werden können, sind sie zum heutigen Zeitpunkt trotzdem wünschenswert. Diese Aussage, so widersprüchlich sie auf den ersten Blick scheint, ist dennoch in sich logisch. Aber warum?
Der massive Anstieg der Staatsverschuldung heute ist eine natürliche Folge einer unhaltbaren Schuldenexplosion im Privatsektor während der vergangenen zehn Jahre. Die Verbraucher in den USA und in einer ganzen Reihe europäischer Länder - allerdings nicht in Deutschland - sowie Finanzinstitute in den USA und Europa haben enorme Schuldenberge angehäuft. Mit dem Platzen der Blase haben Verbraucher wie Finanzinstitute mit dem schmerzhaften Prozess des Schuldenabbaus begonnen. Dieser Vorgang der "Entschuldung" ist notwendig, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Zugleich ist dies aber nur möglich, wenn die Regierungen bereit sind, die Staatsverschuldung zu erhöhen.

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