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Merken   Drucken   21.04.2009, 12:08 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Martin Feldstein - Preisspiralen am Horizont  

Noch sorgen sich US-Politiker eher um Deflation als um Inflation. Sobald sich die Wirtschaft aber erholt, muss die Notenbank Fed verhindern, dass Überschussreserven die Geldmenge massiv steigen lassen. von Martin Feldstein
Martin Feldstein ist Professor für Wirtschaft an der Universität Harvard. Er war oberster Wirtschaftsberater der US-Regierung unter Präsident Ronald Reagan und berät auch Präsident Barack Obama.
Erstmals seit 55 Jahren zeigten die USA vergangene Woche Anzeichen einer Deflation. Das löste natürlich die Sorge aus, dass es zu einer weiteren Deflation in der Zukunft kommt. Hauptgrund für die negative Inflation in den USA ist jedoch der 30-prozentige Rückgang der Rohstoffpreise - was sich nicht wiederholen wird. Ohne Lebensmittel und Energie liegen die Verbraucherpreise 1,8 Prozent über Vorjahr. Das war dann auch schon die gute Nachricht. Denn auf längere Sicht sind die Prognosen unheilvoller.
Die einzigartige Explosion des US-Haushaltsdefizits beschwört das Schreckgespenst einer hohen Inflation herauf. Der Rechnungshof des US-Kongresses sieht im Etat des Präsidenten für 2009 ein Defizit, das 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht und 2010 noch fast zehn Prozent des BIPs. Selbst bei einem starken Konjunkturaufschwung würde die Staatsverschuldung in den kommenden zehn Jahren einen Wert erreichen, der 80 Prozent des BIPs beträgt - und damit doppelt so viel wie derzeit.
Die Geschichte liefert ausreichend Beweise, dass staatliche Verschwendung Inflation mit sich bringt. Aber historische Belege und Wirtschaftsanalysen zeigen auch, dass die Inflationsfolgen vermieden werden können, geht ein Haushaltsdefizit weder mit einer anhaltenden Steigerung der Geldmenge einher noch mit einer Lockerung der Geldpolitik.
Übersteigt die Nachfrage das Angebot, nimmt die Inflation zu. Ein Haushaltsdefizit lässt die Nachfrage wachsen, wenn die Regierung den Einkauf von Waren und Dienstleistungen erhöht oder durch Steuersenkungen die Privathaushalte dazu bringt, ihre Ausgaben zu erhöhen. Ob dieses größere Haushaltsdefizit zu einer Erhöhung der Preise führt, hängt vom geldpolitischen Umfeld ab. Geht das Defizit nicht mit einer Erhöhung der Geldmenge einher, werden die Konjunkturanreize die kurzfristigen Zinsen nach oben treiben, die Erhöhung der Nachfrage blockieren und einen dauerhaften Anstieg der Inflation vermeiden.
Das große US-Haushaltsdefizit birgt also eine Gefahr, wenn es die Geldmenge erhöht. Das geschieht in Entwicklungsländern, die keine verzinsten Schuldtitel ausgeben können und Geld drucken müssen, um ihr Defizit zu finanzieren. Sofern dagegen die staatliche Schuldenlast die Geldmenge nicht erhöht, führt es den vorliegenden Daten nach auch nicht zu nachhaltigen Preissteigerungen.
Ein gutes Beispiel dafür war der heftige Inflationseinbruch, den die USA Anfang der 80er-Jahre erlebten, während zugleich das Haushaltsdefizit rasant wuchs. Die Inflation ging zurück, weil die US-Notenbank Fed eine straffe Geldpolitik verfolgte und einen starken Anstieg der kurzfristigen Zinsen zuließ.
Heute jedoch wird der hohe Anstieg des US-Defizits von einem rasanten Wachstum der Geldmenge sowie noch bedrohlicheren Reserven von Geschäftsbanken begleitet. Diese Reserven könnten die Geldmenge später noch schneller anschwellen lassen. Die Geldmenge M2 wächst schon jetzt um fast 15 Prozent im Jahr. Die Überschussreserven des Bankwesens haben sich von knapp 3 Mrd.$ vor einem Jahr auf nun über 700 Mrd. $ aufgebläht.
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