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Merken   Drucken   04.08.2009, 13:54 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Mehr Wettbewerb im Mobilfunkmarkt  

Bei der Versteigerung neuer Frequenzen sollte der Staat statt kurzfristiger Einnahmen die Vorteile für Verbraucher im Blick haben. Ein positives Beispiel ist Österreich. von Thorsten Gerpott
Torsten Gerpott ist Professor an der Universität Duisburg-Essen und leitet den Lehrstuhl Telekommunikationswirtschaft.
Mehr als 15 Jahre nach dem Start des digitalen Mobilfunks in Deutschland mag kaum ein Mensch sich ein Leben ohne Handy vorstellen. Es ist nicht nur zum Alltagsbegleiter geworden, um an jedem Ort zu telefonieren. Mittlerweile nutzen mehr als zehn Millionen Kunden hierzulande auch Smartphones oder rüsten ihre Laptops auf, um unterwegs E-Mails bearbeiten und auf das Internet zugreifen zu können.
Damit diese schöne neue Welt der mobilen Datendienste zukünftig mit noch höheren Geschwindigkeiten überall funktioniert, benötigen die vier deutschen Betreiber von Mobilfunknetzen zusätzliche elektromagnetische Wellen mit definierten Längen, also mehr Funkfrequenzen beziehunsweise ein größeres Funkspektrum. Diese Ressourcen teilt den Unternehmen die Bundesnetzagentur zu.
Anfang 2010 stehen nun 60 Megahertz an Spektrum zusätzlich für den Mobilfunk zur Verfügung, weil der Rundfunk infolge der Digitalisierung der TV-Verbreitung mit weniger Frequenzen auskommt. Diese "digitale Dividende" ist für die Mobilfunknetzbetreiber wirtschaftlich interessant. Sie liegt in einem Bereich (um 800 Megahertz), der es ihnen erleichtert, auch in dünn besiedelten Regionen ihre Technik mit Datengeschwindigkeiten aufzubauen, die wenigstens halbwegs in die Nähe von DSL-Anschlüssen kommen, ohne dabei Geld zu verlieren
Die deutsche Politik verbindet mit der Vergabe der digitalen Dividende primär das Anliegen, den Anteil der Haushalte, die bislang ohne Internetzugang mit Megabit-Bandbreiten auszukommen haben, deutlich zu verringern. Derzeit liegt dieser Anteil bei etwa acht Prozent.
Die Bundesnetzagentur plant, die 60 Megahertz an Spektrum zerlegt in sechs Blöcke an die Mobilfunker oder andere Unternehmen zu versteigern. Mit einem solchen Verfahren hat der Staat schon im August 2000 gute Erfahrungen gemacht, als eine Auktion von Frequenzen für UMTS-Netze fast 51 Mrd. Euro in die Kassen des Finanzministers spülte. Die jetzt vorgeschlagenen Versteigerungseckpunkte für die digitale Dividende sehen vor, dass es T-Mobile und Vodafone gestattet wird, jeweils zwei Blöcke zu erwerben; E-Plus und O2 sollen die Option erhalten, jeweils für bis zu drei Pakete zu bieten.
  • Aus der FTD vom 04.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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