Nouriel Roubini ist Wirtschaftsprofessor an der Universität New York und betreibt den Informationsdienst Roubini Global Economics
Wir erleben in diesen Tagen den Untergang eines Schattenbankensystems, das über 20 Jahre entstanden ist. Weil die Banken stärker reguliert sind, wurde während der vergangenen zwei Jahrzehnte immer mehr in diesem Schattensystem angelegt - einem System, zu dem Broker-Dealer gehören, Hedge-Fonds, Beteiligungsgesellschaften, außerbilanzielle Zweckgesellschaften und Conduits, Geldmarktfonds und Unternehmen, die ohne Banklizenz Hypothekenkredite vergeben.
Wie Banken auch verschulden sich die meisten Mitglieder dieses Systems sehr kurzfristig und in liquiden Mitteln. Sie arbeiten - bis auf Geldmarktfonds - mit höheren Schuldenhebeln als Banken und investieren in weniger liquide und langfristigere Instrumente. Wie Banken tragen sie das Risiko, Ziel eines zerstörerischen Runs zu werden, selbst wenn sie eigentlich solvent und liquide sind.
In einem aber sind sie anders: Die Wenigsten können sich über Einlagensicherungen und Zentralbanken als Refinanzierungsinstitute der letzten Instanz vor den Risiken einer Massenflucht ihrer Geldgeber schützen.
Auftakt bei den Zweckgesellschaften
Nach dem Platzen der Blase kam es zu einer allgemeinen Flucht aus diesen Schattenbanken, da nicht klar war, welche Institute zahlungsfähig sind. Phase eins war der Kollaps der Zweckgesellschaften und Conduits, sobald Investoren klar geworden war, welch hochgiftige Anlagen da gehalten wurden.
Der nächste Schritt war die Flucht aus den US-Broker-Dealern: Erst verlor Bear Stearns binnen Tagen seine Liquidität. Die Fed half dann den systemisch wichtigen Broker-Dealern. Aber auch das konnte den Run gegen die anderen nicht verhindern, deren Solvenz infrage stand. Als Nächstes war Lehman fällig. Wäre Merrill Lynch nicht verkauft worden, hätte dem Haus dasselbe Schicksal gedroht. Dann verlagerte sich der Druck auf Morgan Stanley und Goldman Sachs.