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  FTD-Serie: Die Lebensmittelkrise

Reis, Weizen Mais - bei allen wichtigen Agrarrohstoffen sind die Preise massiv angestiegen. Das treibt weltweit die Inflation und hat in vielen Ländern schon zu massiven Protesten geführt. FTD-Online zeigt die Folgen der Lebensmittelkrise - und ihre Ursachen.

Merken   Drucken   04.06.2008, 11:47 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Paul Collier: Der hohe Preis der Romantik  

Die Verteuerung vieler Nahrungsmittel ist für die Armen Afrikas eine Katastrophe. Doch die wichtigsten Auswege aus der Krise sind im Westen verpönt: Große Farmen und Gentechnik.
Der Anstieg der Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel ist ärgerlich für reiche Länder, aber eine Katastrophe für die Armen, vor allem in Afrika. Die meisten afrikanischen Länder sind Nettoimporteure von Nahrungsmitteln, die Haushalte mit geringem Einkommen geben dort über die Hälfte ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus.
Das ist die Folge jahrzehntelanger Stagnation in der Landwirtschaft in Verbindung mit einer wachsenden Bevölkerung. Obwohl viele der Nettokäufer von Nahrungsmitteln auf dem Land leben, ist das Problem in den städtischen Slums am brennendsten. Diese Slums sind politische Pulverfässer, und es gab wegen des Preisanstiegs bereits Aufstände.
Brasilianisches Modell als Vorbild
Warum explodieren die Preise? Paradoxerweise ist der Druck auf die Ärmsten eine Folge des Erfolgs der Globalisierung beim Abbau der Armut. China entwickelt sich dank massiver Exporte in unsere Märkte, Millionen Chinesen können dadurch besser essen. Besser heißt nicht nur mehr, sondern auch mehr Fleisch, das neue Luxusprodukt. Die Produktion von einem Kilo Fleisch erfordert aber sechs Kilo Getreide. Vieh, das für Verbraucher in Asien gemästet wird, frisst nun Getreide, das zuvor von den Armen Afrikas gegessen wurde. Was ist der Ausweg?
Die beste Lösung eines Problems liegt oft nicht bei seiner Ursache. Chinas langer Marsch zum Wohlstand ist Grund zum Feiern. Das Rezept gegen teure Nahrungsmittel besteht darin, das Angebot auszuweiten - was möglich ist.
Der realistischste Weg besteht darin, das brasilianische Modell zu kopieren: große, technisch perfektionierte Agro-Unternehmen, die den Weltmarkt beliefern. Um das an einem Beispiel zu illustrieren: Der Abstand zwischen Ernte und Aussaat, also die Ruhezeit des Landes, wurde um erstaunliche 30 Minuten verkürzt. Es gibt noch viele Weltregionen mit gutem Land, das viel produktiver sein könnte, wenn es richtig gemanagt würde. So liegen fast 90 Prozent Mosambiks brach, eine enorme Fläche.
Hemmnis für Innovation und Investitionen
Leider ist groß dimensionierte, kommerzielle Landwirtschaft unromantisch. Wir rühmen den Produktionsstil des Kleinbauern: ökologisch nachhaltig, überschaubar. Bei Industrie und Dienstleistern haben wir uns von diesem Traumbild längst verabschiedet, aber in der Landwirtschaft belastet es weiter die Politik. Europa und Japan geben riesige Steuermittel aus, um kleinen Höfen zu helfen.
Das Beste, was sich dazu sagen lässt, ist, dass wir es uns leisten können. In Afrika, wo man es sich nicht leisten kann, haben Entwicklungsorganisationen alle Bemühungen darauf gerichtet, kleinbäuerliche Produktion zu fördern. Im Ergebnis hat Afrika heute weniger Großlandwirtschaft als vor 50 Jahren. Leider eignet sich kleinbäuerliche Produktion meist nicht gut für Innovation und Investitionen. Afrikas Landwirtschaft ist daher weiter und weiter hinter den Produktivitätsmöglichkeiten des globalisierten, kommerziellen Modells zurückgeblieben. In der aktuellen Phase hoher Preise fürchtet die Welternährungsorganisation (FAO) sogar, dass Afrikas Bauern ihre Produktion senken, weil sie teuren Dünger nicht finanzieren können.
Es gibt Teillösungen in Form von Subventionen und Kreditprogrammen, aber kommerzielle Großlandwirtschaft hat dieses Problem überhaupt nicht. Steigen die Preise der Endprodukte schneller als die der Vorprodukte, wird die Produktion erhöht, denn es gibt eingespielte Kreditlinien.
  • Aus der FTD vom 04.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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